Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Der Jüdische Student . ti . ._ Juden ais auf die Bundesbrüder freute, die ich nach längerer Einsamkeit dort treffen solle. Nicht als ob wir nicht zu Pessach dort ein sehr frohes und gemütliches V. J. St-er-zusammensein gefeiert hätten! Aber die Seele, die sich nach Jüdischem sehnt, findet mehr Befriedigung im Anschauen der jüdischen Ostjuden, als im noch so vertrauten Gespräch mit deutsch-jüdnchen Bundes« brüdern, die mir in Deutschland doch den jüdischten und damit liebsten Kreis gebildet haben. Aber es muß auch ausgesprochen werden, daß ich hier Bundesbrüder gesehen habe, die in Verständnislosigkeit oder treffender gesagt: an seelischer Unernpfänglichkeit gegenüber der jüdischen Welt vor ihnen den Vergleich mit den durchschnittlichen K. C.-etn auszuhalten schienen. Damit soU kein persönlicher Vorwurf erhoben sein, sondern unser aller Fehler ist's mehr oder weniger, daß wir uns in solcher Prüfung nicht bewähren! Wir alle müssen uns schämen. Es sind weit erhöhte Anforderungen, die wir beim Wiedereintritt ins friedliche Leben an unsern Korporationsbetrieb stellen müssen, wenn wir der Aufgabe gerecht werden wollen, unsere Erziehung in der gedachten Weise auszugestalten. Wir werden aber zu gleicher Zeit nicht darum herumkommen, die bisher üblichen Formen unseres Korporationslebens einer Nachprüfung und teilweisen Umgestaltung zu unterziehen. Das ist das zweite große Gebiet, auf dem uns, wie mir scheint, der Krieg einen Schritt in der Erkenntnis und im Gefühl weiter gebracht hat. Ich glaube, wir haben alle unsere Vorstellung vom Nationalen verfeinert und das seelische Unterscheidungsvermögen zwischen dem, was unser ist, und dem, was uns fremd ist, zu üben und besser zu verwenden gelernt. Mich jedenfalls hat der Krieg und das Leben als Soldat in dieser Hinsicht feinfühliger und empfindlicher gemacht. So ist es kein Zufall, daß mir gerade jetzt im Felde, wo doch die rein studentischen Fragen mir himmelweit fern liegen, die Erinnerung an manche Erlebnisse aus der Studentenzeit direkt peinlich sind. Felix Rosenblüth deutet in diesem Zusammenhang auf die Chargierten in Wichs hin; ich denke vor allem an das ganze Mensurwesen, an die Ehrengerichte, in denen unsereins zu seiner inneren Erheiterung mit den den übrigen Ehrenrichtern docn manchmal wirklich bedeutsamen Begriffen des Komments und der studentischen Ehre jonglierte. Ich bin mir wohl „bewußt, daß die Einführung der Satisfaktion mit allen ihren Konsequenzen eine Notwendigkeit gewesen ist, um uns in der Studentenschaft durchzusetzen. Ich weiß auch, daß man zwar in Berlin ohne diese D.nge vielleicht würde auskommen können, daß dagegen in den kleineren Universitäten einer Abschaffung sehr gewichtige Bedenken gegenüberständen. Aber ich erwähne diese Frage deswegen, weil gerade an ihr aufgezeigt werden