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Der jüdische Student · 1917-01-16 · 13. Kriegsheft (26.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
13. Kriegsheft (26.1.1917)
Date
1917-01-16
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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359 kann, wie eine Einrichtung bei uns durch lange Zeiten hindurch besteht und dennoch niemals als jüdisch wird empfunden werden, sondern stets als unserm innersten Wesen durchaus widersprechend. Hingegen sind andere studentische Bräuche bei uns soweit verarbeitet worden, daß sie uns als unsere Formen erscheinen (vgl. hierzu Calvary über den Blau-Weiß im 7. Heft .des „Juden"). Wir werden noch sehr viel darüber nachdenken müssen, in welcher Weise wir unsere Formen an die neu zu setzenden Aufgaben anzupassen haben. Ich fühle mich in meiner Einsamkeit und bei dem Mangel an Gedankenaustausch mit Bundesbrüdern nicht in der Lage, praktische Vorschläge zu machen und möchte mich auch nicht über die bereits angeregten wissenschaftlichen Zirkel (die übrigens für die kleineren Universitäten ganz außer Betracht bleiben müßten) und die „Blau-Weiß- Verbindung" aussprechen. Mein Ziel war es nur, die nach meiner Auffassung erforderliche Umgestaltung unserer Arbeit zu begründen. Wenn wir in diesem Sinne uns zu mühen beginnen, werden wir — das ist meine Hoffnung — auch in rein menschlicher Beziehung den Stand unserer Gemeinschaft wertvoller gestalten. Denn wir brauchen es uns unter uns nicht zu verhehlen, daß die bisherige Methode uns in gewisse Gefahren gebracht hat. Wohl wurde der, der sich auf einem jüdischen Wissensgebiet auszeichnete, bei uns verdienstgemäß eingeschätzt. Aber es blüht bei uns doch vielfach auch ein Heldentum, dessen Größe mehr in selbstsicherem Auftreten und Sprechen und in dem vorschnellen Urteil im Sinne der in der Korporation traditionellen Anschauungen über Dinge, und Personen besteht. Diese Größe unterlag oft auch der Versuchung, die vom Traditionellen abweichenden Auffassungen und deren Träger mit plumper, nachlässiger Manier zu übergehen; manche Menschen sind sicherlich von uns zur Seite geschoben worden, die mehr nach Verdienst behandelt worden wären, wenn unsere Maßstäbe verinnerlichter, unsere Anforderungen an die Bundesbrüder mit tieferem Gehalt erfüllt gewesen wären *). Keinem Eigenbrödlertum um seiner selbst willen spreche ich das Wort — wer mich kennt, weiß, daß mir das ganz fern liegt —, sondern % ich will der Zuversicht Ausdruck geben, daß mit dem Wort, der Größe und dem Inhaltsreichtum der zum Ziel gesetzter! Leistung auch die Entfaltungsmöglichkeit für mehrerlei Menschen gegeben sei und mit den Maßstäben auch der Respekt vor der Person und ihrer Arbeit wachsen werden. *) Ich denke an dieser Stelle z. B. an die „Siedlung" des „Kultur- Lehmann".

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