Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-J356 •Der Jüdische Student gut und so schlecht es meine Situation, in Anspruch genommen zu sein durch tausend militärische Obliegenheiten, die dem Innern fremd und peinlich sind, zuläßt. Es will mir scheinen, als ob wir uns im Laufe einer Entwicklung befinden, deren bisherige Stadien wir bereits begrifflich abgrenzen können, und deren zukünftige Gestaltung heute als starkes und eindeutiges Pflichtgebot verstanden und erfüllt werden will. Die eisten Jahre des V. j.St. sind als Anfänge zu bezeichnen, die studierende Jugend für den erwachenden jüdischen Nationalismus und in der Folge für den politischen Zionismus mobil zu machen. Die Gründer waren zumeist Juden mit ausgeprägt jüdischem Inhalt. Aber sobald man sich vor das Problem gestellt sah, an eine u n - vorbereitete Jugend propagandistisch heranzutreten, konnte die alte Vereinsform nicht mehr ausreichen, die sich mit dem inneren Kampf um jüdische Fragen und mit der Arbeit für die zionistische Partei begnügte. Es mußte die neue Gestalt einer jüdisch-studentischen Vereinigung erfunden und geschaffen werden. Die jüdische Korporation tritt ins Leben. Studentischer Komment, Mensurwesen, Keilbetrieb, öffentliche Wirksamkeit in allgemein-studentischen Angelegenheiten gaben den äußeren Rahmen ab, nach innen wird an der Durchsetzung strikter Disziplin der Korporation gegenüber gearbeitet, und als allerinnerster Kern des Verbindungslebens präsentiert sich die sporadische Beschäftigung mit allen für National-Juden interessant erscheinenden Gegenständen. Dies sind die Zeiten des V. J. St.-Berlin' mit seinen studentischen Erfolgen, der Gründung der Hasmonaea, weiterhin dann der Gründung des B.J.C. und des K. Z. V. und die Werdezeit der Berliner Maccabaea, die Zeiten des Kampfes ums Programm, bis dieser Abschnitt um seinen Abschluß rang und ihn in der Fusion fand. Wir stehen an der Schwelle eines neuen Stadiums. Die Formen unseres Daseins als Korporation, die äußeren Bedingungen für seine Fortentwicklung sind geschaffen, das zionistische Programm ist gesichert. Es gilt, unser inneres Leben jüdischer zu gestalten, unsern Nationalismus und unser Streben nach Zion hin zur Wirklichkeit unseres Verstandes und Herzens zu machen, den Inhalt unseres Programms zum Inhalt unseres Selbst zu wandeln. Von solchem Streben zeugte schon manche Arbeit der vergangenen Jahre. Ich rechne hierunter die manchmal systematischen Geschichtskurse, hebräische Kurse, die Gründung des Rudervereins und die Tätigkeit im Blau-Weiß. Hier wurde zum ersten Mal das Ringen um körperliche Gesundung als Inhalt einer im besten Sinn zionistischen Tendenz verkündet,