Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537619--3768-3541506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 355 an sich, sondern mit dem Willen, sich selbst aller Werte zu entäußern, die nicht jüdisch sind, ohne danach zu fragen, was wir Selbst dafür eintauschen. Mit dem Willen also, für die eigene Person auf das, was wir Glück nennen, zu verzichten und unser Glück darin zu suchen und zu finden, daß unsere Kinder einmal die Träger der neuen, jüdischen Kultur werden können. Dazu ist nötig, daß wir unseren Kindern eine jüdische Mutter geben. Eine Frau, die von Haus aus Jüdin ist, die nicht erst wie wir ihre Jugend zu „entheiligen" braucht, um Jüdin zu werden. Also eine Ostjüdin, am besten ein Mädchen, das bereits in einer jüdischen Kolonie aufgewachsen ist. Gehen wir selbst hinüber, so werden wir dann Anteil nehmen an der Erziehung der Kinder, wir werden, wie Blumenfeld sagt, „Lernende und Lehrende zugleich sein". Und werden in ihrem Glück auch ein btück Glück für uns finden. Können wir aber nicht hinübergehen, dann müssen wir, wenn anders wir wirklich glauben, daß genug geredet ist und daß es endlich Zeit ist, den Reden auch Taten folgen zu lassen, unsere Kinder von uns geben, so schwer das dem einzelnen auch fallen mag. Denn unsere Kinder werden nicht so sehr uns als dem Volk gehören müssen. Das ist meine Folgerung aus der Erkenntnis, daß wir selbst für das große Werk, das kommen wird, auch wenn wir es nicht wollen, eben nicht mehr ausschlaggebend in Betracht kommen, weil wir zu tief assimiliert sind. Abraham brachte Gott seinen Sohn Isaak zum Opfer dar. Nun, auch wir müssen unsere Kinder niederlegen auf dem Altar des jüdischen Volkes. Das jüdische Volk hat ein Recht darauf, zu verlangen, daß wir, die wir beteuern es zu lieben, ihm ein Opfer bringen. Darum weg mit dem Vorschlag der Erlernung der hebräischen Sprache hier im Golus, mit dem Vorschlag, hier jüdische Feste zu feiern, jüdische Geschichte zu lernen! Das sind neue Kompromisse, die. uns nicht jüdischer, nicht freier machen, sondern die uns und unsere Kinder nur noch mehr verwirren, als uns unsere eigene assimilantische Erziehung ohnehin schon verwirrt hat! Ein neues Stadium Von Julius Rosenfeld (Ma.-Be. uni Ma.-Kbg. A. H.), im Felde Endlich hatte ich die Briefe der Maccabaea erhalten, die mir die lang ersehnte erste Nachricht über den K. J. V.-Tag gaben. Da wurde es mir zum Bedürfnis, meine Gedanken über den heutigen Stand unserer K. J. V.-Bewegung niederzuschreiben, so