Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537619--3767-3541505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
:B54 Der Jüdische Student nicht in Tel Awiw, Neu-Berlin W. leben, sondern die es verstehen, ihre Jugend zu „entheiligen", ihre Werte hinzugeben, ohne selbst Werte dafür zu erhalten, damit ihre Kinder die neuen Werte erhalten, mit einem Worte: diejenigen,, die eine Ostjüdin heiraten und gewillt sind, ihr Ich zu opfern für ihre Nachwelt. Die andern, die hier bleiben wollen oder müssen (es werden mehr sein, die wollen als solche, die müssen!), werden dann zusehen müssen, wie sie mit sich fertig werden. Sie werden <len Weg gehen, den alle Zionisten bisher gegangen sind: Reden und Geld geben und dadurch dem Zionismus nützen. Wenn: sie anfangen, im Golus jüdisch zu werden, dann werden sie den Zionismus verwässern. Sie werden nicht nur unjüdische Gedanken in hebräischer Sprache veröffentlichen, sondern sie werden sich auch einreden, jüdisch zu sein. Das Unbefriedigtsein, das herrliche Sich-nicht-wohl-fühlen-können, die Ablehnung des Kompromisses, all die Dinge, deren Erkennen wir Blumenfeld verdanken und deren Aussprechen durch Bertold Cohn und Preuß einen wahren Sturm hervorgerufen hat, all das wird zurücktreten hinter dem Gedanken, daß wir doch eigentlich furchtbar jüdisch sind, und daß wir uns doch wohl fühlen können, nachdem wir es dahin gebracht haben, daß wir im Golus jüdisch leben. Und das Jüdischer-werden im Golus wird ein neuer Anlaß sein, nicht nach Palästina zu gehen. Wenn aber einer nicht hinübergehen will, so ist folgendes zu sagen. Unsere Uebersiedelung nach Palästina bedeutet einen so großen, sittlichen Entschluß, ein Aufgeben so vieler Werte, die uns lieb und teuer gewesen sind, ein Wandern in eine so ungewisse Zukunft, daß wir dies alies nur wünschen können, wenn uns das Leben hier als nicht lebenswert erscheint. Ich fürchte nun sehr, daß mit dem „Jüdischer-werden" hier, mit dem Feiern jüdischer Feste, mit dem Erlernen und Beherrschen der hebräischen Sprache uns der Kompromiß, den wir geschlossen haben — denn um einen solchen handelt es sich für uns trotz -Krojanker und Bloch und trotz des Protestes einiger Alten Herren — erheblich schmackhafter wird. Das ist verderblich. Wir werden uns — die einen mehr, die anderen weniger ehrlich — einreden, daß wir hier schon Juden sind, daß wir dem jüdischen Volk durch unser Hierbleiben mehr nützen und dergleichen mehr. Ich glaube aber: wer hier bleiben muß, wird sich eben mit dieser für ihn unendlich traurigen Tatsache abfinden müssen. Auch für ihn gibt es aber, wie ich unten zeigen will, eine, wenn auch schwere, Lösung. Wer aber nicht hinübergehen will, dem brauchen und dürfen wir weiß Gott keine Hilfe zu neuen Ausflüchten bieten! Er findet deren so schon übergenug. Für mich bleibt als einzige Lösung bestehen die Uebersiedelung nach Palästina. Und auch nicht die Uebersiedelung