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Der jüdische Student · 1917-01-16 · 13. Kriegsheft (26.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
13. Kriegsheft (26.1.1917)
Date
1917-01-16
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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353 herrschung zu erlernen und die Kenntnis der jüdischen Geschichte sich anzueignen. Schwieriger aber und nach meiner Ueberzeugung überhaupt unmöglich ist es, „tiefere Kenntnis des Ostjudentums sich anzueignen" und, was ich für das wichtigere halte, die jüdische Geschichte nicht zu erlernen, sondern sie zu erleben. Der Vorschlag, für einige Semester nach Warschau zu gehen oder sich — wobei ich die Frage, ob Polen überhaupt für uns ein Arbeitsfeld wird, was ich nach der Proklamierung des Königreichs für gänzlich ausgeschlossen halte, einmal außer Acht lasse — in Polen niederzulassen, ist für meine Empfindung geradezu grotesk. Glaubt man denn wirklich, daß es einen Unterschied macht, ob man als „zionistischer" Rechtsanwalt oder Arzt in Berlin, oder Warschau sitzt? Unser jüdisches Volk kennen zu lernen, ist doch nicht gar so leicht! Dazu ist es nötig, daß wir als Lernende zu ihm gehen, als Bittende, als Menschen, die sich klar darüber sind, daß ihr Leben zwecklos ist, die nach jahrzehntelangen Irrfahrten Ruhe finden wollen an der Brust der Mutter, die den Weg zum Leben zurückfinden wollen, nachdem sie erkannt haben, daß sie bisher ein Leben geführt haben, das kein Leben war, das dem jüdischen Tode zuführte. Nur wenn wir diesen Willen haben, den Willen, unsere Jugend zu entheiligen, jede anüere Volkskultur aus uns auszutreiben und nur das Internationale der Technik zu verbinden mit der alten jüdischen Kultur, uns daraus eine neue erstehen zu lassen, nur dann werden nach einem für uns unglücklichen Leben unsere Kinder vielleicht noch einmal in der Lage sein, an dem großen Befreiungswerk teilzunehmen. Der Weg ist schwer. Aber er ist klar. Die Errettung des jüdischen Volkes wird kommen, aber nicht aus dem Westen. Und wir werden uns daran gewöhnen müssen, einzusehen, daß die sechshunderttausend deutschen Juden und die tausend K. J. V.-er unwesentlich sind für die Errettung, ja sogar schädlich, wenn sie ihre Kultur, die keine jüdische ist, mithineinverpflanzen wollen in das Gebäude der neuen jüdischen Kultur. Das aber wird geschehen, wenn wir hier unser Leben jüdischer zu gestalten versuchen! Sollten wir '.tatsächlich das Hebräische beherrschen lernen und — hierbleiben, dann wehe der neuen, jüdischen Kultur, dann wehe dem Zionismus! Es werden dann hebräische Zeitungen erscheinen, und sie werden in hebräischer Sprache deutschen Geist haben, und vielleicht werden wir ihn sogar für jüdisch halten, weil die Worte hebräisch sind! Möchten wir doch das einsehen lernen: So wie wir sind, so assimiliert und innerlich viel tiefer assimiliert als die meisten ahnen, sind wir für unser Volk als tätige Erretter nicht zu gebrauchen. Den Weg zum jüdischen Volke werden nur wenige finden. Diejenigen, die wirklich nach Palästina gehen und dort

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