Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 351 freimachende Erlösung vom Alpdrucke des Golus nur erfolgen kann, wenn die Verinnerlichung unseres jüdischen Lebens im Zeichen Palästinas steht. Nicht aus opportunistischen Gedankengängert heraus fordern wir ein von jüdischen Inhalten erfülltes Galuthleben. Wir treten keinen Rückzug an, uns beugend vor der Macht äußerer Gewalten, die uns heute Zion verschließen. Wie wir in jenen glücklichen Sfunden längst vergangener Zeiten, als wir die Tragik unseres Galuthschicksals in ihrer Totalität erkennend, uns zum Zionismus bekannten, nie und nimmer mit unserem bisherigen Leben gebrochen hätten, wenn nicht dem geblendeten Auge das strahlende Bild eines ganz neuen, ganz freien Lebens, wenn auch in weiter Ferne, erschienen wäre, wie damals nur die ganz radikale Lösung für uns in assimilatorischen Gedankengängen Verfangene psychologisch überhaupt den Anstoß zum Nachdenken über unser Judentum gegeben hat, so sind wir noch heute weit davon entfernt, auch nur ein Jota unserer damaligen revolutionären Hoffnungen aufzugeben. Unser Sehnen nach mehr Judentum ist innerlich bedingt durch unser Sehnen nach Palästina; wir haben kein Interesse an einer verbesserten, jüdischeren Auflage unseres vorzionistischen Lebens. Jedes noch so vollkommene Leben im Golus kann immer nur ein mehr oder minder befriedigendes Surrogat sein. Wir brauchen dieses Surrogat, und müssen es uns so vollkommen gestalten, wie eben ein Surrogat sich vollkommen gestalten läßt; denn die Aussichten einer Uebersiedelung sind für heute und morgen noch ganz minimal. Aber Palästina kann nie und nimmer aus unserer Wunschperspektive ausscheiden. Für alle restlos vom Zionismus Erfüllten bleibt es das Land, bei dessen Namen uns das Herz höher schlägt, nach dem wir uns sehnen als dem Erdenfleck, wo allein vollendetes Judentum gelebt werden kann, und in das wir übersiedeln werden, sobald wir in ihm Lebensmöglichkeiten zu finden glauben, die eine Uebersiedelung für uns und vor allem für die Bewegung sinnvoll erscheinen lassen! Neue Kompromisse Von Georg Wöllstein (V. J. St. Maccabaea-Berlin A. H.} im Felde Der Aufruf von Berthold Cohn und Preuß hat sich als das bewährt, was er sein wollte: als ein Aufrütteln der Geister im K. J. V. Er hat die Leblosigkeit, in die das K. J. V. seit Kriegsausbruch verfallen war, beseitigt. Das zeigen deutlich die Referate Hirschs und Blumenfelds auf dem K.J.V.-Tag. So wie sie gehalten wurden,