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Der jüdische Student · 1917-01-16 · 13. Kriegsheft (26.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
13. Kriegsheft (26.1.1917)
Date
1917-01-16
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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350 Der Jüdische Student deutschen Kulturgemeinschaft. Es scheint mir eigentlich eine Platitüde zu sein, wenn ich hier ausdrücklich betone, daß trotz, der entschiedenen Forderung, in ein intimes Verhältnis zum jüdischen Geistesleben zu gelangen, selbstverständlich kein halbwegs normaler Mensch daran denken kann, fortan das deutsche Geistes- und Kulturleben für sich persönlich abzulehnen. Wir werden nach wie vor regen Anteil nehmen an dem geistigen Leben des Landes, dem wir unsere Bildung und unsere Kultur verdanken, mit dem wir durch Beruf und wirtschaftliche Interessen uns verknüpft fühlen. Die achtzehn Jahre unseres Lebens, die wir, in Deutschland aufgewachsen, nur im Unteibewußtsein als Juden lebten, können und sollen auch nicht durch einen sinnlosen, lächerlich anmutenden Willensakt regiert werden. Wir haben uns an dem Idealismus eines Schiller und Kleist in jugendlichem Ueberschwang begeistert, wir haben an Goethe und George heilig stille Stunden verlebt, wir haben uns bei Schopenhauer zum Manne herangebildet. Wir würden unsere eigene Jugend entheiligen, wollten wir die Männer, die uns so unendlich bereichert haben, denen wir alles, mittelbar auch den Zionismus, zu verdanken haben, als innerlich für uns erledigt betrachten. Ich glaube sogar, daß sich die Liebe für deutsche Meister intensivieren wird, wenn wir ihnen nicht mehr als ihrem Volkstum entfremdete Menschen gegenübertreten, sondern als Glieder der eigenen Volksgemeinschaft, eingestellt in die geistigen Zusammenhänge unseres nationalen Lebens. Zu zweit möchte ich alle die beruhigen, die befürchten, daß die im Sinne einer Revolutionierung des ganzen jüdischen Menschen geforderte Erziehung eine Vernachlässigung der politischen Erziehung zur Folge haben würde. Die Heranbildung unserer Bundesbrüder zu zoa politika, zu Menschen mit politischem Bewußtsein, ist nach wie vor eine notwendige Forderung. Wir müssen sogar weit mehr als bisher bestrebt sein, in unseren Bundesbrüdern das Verständnis dafür zu erwecken, daß aus restloser Hingabe an unsere Sache auf keinen Fall Einseitigkeit und Beschränktheit resultieren muß. Unsere Bewegung braucht Menschen mit klarem Blick für die Wirklichkeit, frei von Engherzigkeit, fähig, die Dinge auch anders als unter der Parteibrille zu betrachten. Eine höhere Synthese soll der Zionismus für uns darstellen, zwischen der geistigen Bewegung des neu erwachten und der praktisch-politischen Förderung des heimatlosen Volkes nach ihrem angestammten Lande. Und nun zum Schluß noch ein Wort über unsere Stellung zu Palästina. Ich habe dargelegt, daß ich an die Möglichkeit eines befriedigenden Lebens im Golus glaube, bin aber aufs tiefste davon durchdrungen, daß eine reine, uns innerlich

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