Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 347 Diese Worte stimmen nachdenklich; ein tiefes Eingeständnis liegt in ihnen. Salli Hirsch, der ebenfalls umgelernt hat, ist in der Formulierung unserer Aufgaben nach dem Kriege erfreulich klarer: Erlernung der hebräischen Sprache, Annäherung an das jüdische Volk, Kenntnis der jüdischen Geschichte und Einstellung in ihie Zusammenhänge. Und über all diesen Forderungen die große Erkenntnis: Bejahung des Golus. Dies darf auf keinen Fall mißverstanden werden. Hirsch betont ausdrücklich, daß Palästina und die Arbeit für Palästina nach wie vor die erste Stelle in unserem zionistischen Denken und Handeln einnehmen wird, aber er verlangt, daß die Golusarbeit auch als eine — sogar recht wesentliche — nationale Tätigkeit betrachtet wird,, «und sucht, da er einsichtig genug ist, zu erkennen, daß heute fast keiner nach Palästina übersiedeln wird, nach einer nationalen Gestal ung unseres Lebens im Golus. Ich weiß nicht, wie lange wir noch werden warten müssen, bis unsere Führer, die auf der Suche nach der Lösung sind, uns das Entscheidende gesagt haben. Der ringende, durch neue Erlebnisse sich stetig umgestaltende und höher entwickelnde Mensch ist ja nun zweifellos liebenswerter und menschlich wertvoller als der schon frühzeitig Fertige, Gesättigte. Aber in dieser für unser jüdisches Leben im Golus entscheidenden Frage können wir nicht Jahre und Jahrzehnte lang warten, bis die jüdischen Inhalte, die uns vollkommen machen sollen, gefunden sind. Während wir suchen, und um eine jüdische Gestaltung unseres Lebens ringen, wächst eine neue jüdische Jugend auf, die wir weder mit abstrakten Deduktionen, noch mit unseier jüdischen Viertebildung zu jüdischen Menschen, erziehen können. Wir müssen uns voll bewußt sein, daß allesdafür spricht, daß diese neue jüdische Jugend dem Judentum» verloren geben wird, wenn wir nicht fähig sind, ihr ein selbs.verständliches jüdisches Leben vorzuleben, ein Leben, dessen Inhalte den ungeheuren Zielsetzungen adaequat sind. Es geht um nichts weniger als um die Frage, ob unser eigenes Geschlecht eine jüdische Zukunft haben wud. Gewiß ist das nicht die Frage um die Zukunft des Volkes. Wir wissen alle, daß das Heil und die Zukunft des Volkes im Osten liegt. Aber ich glaube, daß auch die westliche zionistische Judenheit ein wertvoller Faktor im Gesarntjuaentum werden kann, wenn es ihr gelingt, zum Judentum zurückzukehren. Das Ziel liegt klar vor uns. Der Krieg hat sein Teil dazu beigetragen, daß denen, die sehen können und sehen wollen, der einzige Weg kiar geworden ii>t, den wir gehen müssen. Er liegt in der Richtung der Hirsch'schen Vorschläge und geht nur in einer, allerdings recht wesentlichen Forderung über jene