Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1917-01-16 · 13. Kriegsheft (26.1.1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
13. Kriegsheft (26.1.1917)
Date
1917-01-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537613-3537619--3756-3541494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jüdische Student 343 sieht sehr tüchtig. Sie glauben allerdings, daß mit der Arbeit für die Bewegung ihrem Zionismus Genüge geschehen sei und haben mit dieser Anschauung vom Standpunkte der zionistischen Parteiorganisation ohne Fiage recht. Der Zionismus als politische Bewegung fordert, wie wir vorher festgestellt hatten, lediglich ein Willensbekenntnis, verbunden mit einem Parteigeld; er kann, da er bestrebt ist, möglichst alle Juden zu umfassen, nur minimale, rein politisch-organisatorische Ansprüche stellen und nie und nimmer seine Anhänger auf eine bestimmte Lebensanschauung festlegen wollen — er würde sonst zur Sekte herabsinken. Vom Standpunkt der Partei sind also Zionisten, die in der Bewegung nach Maßgabe ihrer Fähigkeiten intensiv mitarbeiten, wenn auch ihr Lehen durch den Zionismus keine entscheidende Beinflussung erfährt, als sehr gute Oesinnungsgenossen anzusehen, und ich betonte deshalb bereits, daß auch in unserem Kartell für solche „Nicht-Radikalen" stets Platz sein wird. An dieser Stelle aber wollen wir uns bemühen, den in einer verschiedenen Lebensanschauung begründeten Gegensatz der beiden "Gruppen*4 möglichst präzis herauszuarbeiten, und da müssen wir eben sachlich feststellen, daß für die eine Gruppe der Zionismus keine Veränderung in ihrer persönlichen Lebensgestaitung mit sich bringt. Der Gedanke, daß auch der westliche Zionist Palästina in sein Lebensprogramm aufnehmen müsse, erscheint ihnen als eine absurde Ueberspannung des nationalen Wollens.' Sie sind natürlich nicht dagegen, daß der eine oder der andere nach Palästina übersiedelt, sie empfinden sogar sicherlich Hochachtung vor dem, der diese letzte zionistische Entscheidung trifft. Aber sie halten es für töricht und nicht zu billigen, daß eine größere Gemeinschaft ihr Leben unmittelbar auf Palästina einstellt, eine möglichst innige Verknüpfung mit dem L ande der jüdischen Zukunft als einzig sinnvolle Folgerung des zionistischen Bekenntnisses betrachtet. — Aber auch jede Vertiefung unseres Judentums, jede inhaltsvolle Gestaltung unseres Gorslebens, jeden Versuch, unser Menschentum nach der jüdischen Seite hin umzuformen, lehnen sie ab. Sie halten, wie Blumenfeld sagt, den Versuch, die jüdische Seite unseres Wjesens zu beschweren, für kulturlos, bildungslos und trollhaft und lassen sich die Erkenntnis, daß wir unendlich viel nichtjüdische Elemente besitzen, zum Gegensiand liebevollster Sorge werden. Diese Bundesbrüder empfinden keinen seelischen Zwiespalt, wenn sie in Deutschland wohnen, und nur starke antisemitische Emanationen können sie heftig erschüttern. Sie sind hier eingewurzelt, unterhalten zu Deutschland ein tiefes, inneres Verhältnis und denken nicht an eine Aufgabe der hiesigen Positionen unter Opfern, vielleicht nicht deshalb, weil ihnen der Opfermut fehlt, sondern weil sie den Sinn solcher Opfer nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.