Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Der. Jüdische Student« g£füh«;t >\yerdenr und; von dem unterliegenden Xeil verlangen wir dierJDisziplin,sich dern: Willen des Kartells! zu fügen und nicht sjch grollend zurückzuziehen oder gar die Niederlage rpit derp / Austritt, ,zu beantworten. 'Zs wird . auch dann« f noch reichliche Arl?eitsmögiichkeit: innerhalb des Kartells gehen. Sollten aber •Bur^desbrüder, die Disziplin und, das demokratische Bewußtsein, das* wir von alten Zionisten^ anzunehmen berechtigt waren, nicht aufbringen und austreten, da sie; nicht begreifen kpnnen, daß es Zionismus Entwicklung gibt, so werden wir nicht um ihreii Verlust trauern. Dann ist Reinlichkeit besser als ewiger Stunk, Aber ich; habe Vertrauen zu der Einsicht und zu,- -ßem . Verantwortungsbewußtsein unserer Bundesbrüder. , 7 . Nachdem mit allem Nachdruck betont ist, daß nichtder geringste Grund vorhanden ist, daß Bundesbrüder wegen iriner- .zionistischer Differenzen uns verlassen, daß keinem das mindeste tRecht zusteht, einem tätigen und sich verantwortlich fühLrijden Bundesbruder die zionistische Ehre abzuschneiden, wenn er in .Fragen, die das .Wesen des Zionismus betreffen, erheblich anders denkt als die heutige Mehrheit, daß alleiniger Maßstab bei der Beurteilung des zionistischen Wertes eines Bundesbruders seine Arbeitsfreudigkeit, seine zionistischen Taten sind, wird es nützlich sein, den letzten Urgrund der sachlichen Meinungsverschiedenheiten aufzudecken. Der letzte Urgrund liegt meines Erachtens darin, daß zwischen den — sagen wir — beiden Gruppen eine Weltanschauung liegt. >Für die um Zwirn — und nicht nur seinen engeren Kreis meine, ic,h, sondern alle, die ihm gedanklich nahestehen und auf den Kar- ';telltagen zujubeln — ist der Zionismus nur eine Provinz ihrer Seele. Sicherlich eine sehr bedeutsame, aber eben nur eine der großen Formen ihrer Existenz. Aus ihrem angeborenen jüdischen Grundgefühl resultierte der lebhafte Wunsch nach der ewigen Fortexistenz ihres Volkes, und sie haben .sich dem .Zionismus angeschlossen, da sie in Theodor Herzls Plänen eine großzügige, imponierende Lösung der Judenfrage erblickten. Im Jieisten Grunde ihres Herzens aber empfanden sie die zionistische Lösung nicht als eine sie selbst höchst persönlich angehende Angelegenheit, sondern vorwiegend als Notwendigkeit für die in Elend und Erniedrigung ihr Leben fristenden ostjüdischen Massen, denen zu einem treien und menschenwürdigen Leben zu verhelfen, ihnen nationale Pflicht zu sein schien. . Damit soll keineswegs gesagt sein, daß diese Zionisten keinen tiefen inneren Anteil an dem großen nationalen Werke nähmen Den besten unter ihnen liegt der Zionismus sehr am Herzen, sie begeistern sich an dem Gedanken, in diesem entscheidende^ jüdischen Freiheitskampfe als emanzipierte Westjuden eine führende Rolle übernehmen zu können und sind je nach ihrer Begabung in organisatorischer, politischer und literarischer Hin-