Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 341 Sammelpunkt aller jüdischen Akademiker sein, die sich auf Grund des Schekels Zionisten nennen, sondern als Minimalforderung müssen wir verlangen, daß Leute, die zu uns gehören wollen, sich nicht nur mit dem im Baseler Programm ausgesprochenen politischen Endziel einverstanden erklären, sondern auch bereit sind^ •nach Maßgabe ihrer persönlichen Fähigkeiten für die Erreichung dieses Zieles zu arbeiten. Die Alten Herren, die zionistisch untätig in ihren Berufsorten dahinvegetieren und nur bei besonderen Gelegenheiten, z. B. beim Wiedersehen von Bundesbrüdern, beim Lesen des J. St.,' in rührseliger Wehmut der Zeiten gedenken, „wo sie auch dereinst. . . .", lehnen wir ab. Wir empfinden uns mit ihnen nicht durch das Band der Bundesbrüderlichkeit verbunden. Auf dem K. J. V.-er-Tage fiel der Ausspruch: Wo der Zionismus-anfängt, da hört die Bundesbrüderlichkeit auf. Dieser Satz, der mir nur eine banale Wahrheit sagt, scheint für eine Reihe von Bundesbrüdern eine neue unerhörte Forderung zu sein. Der Zionismus ist doch die Voraussetzung der Bundesbrüderlichkeit. Ein Bundesbruder mag noch so sympathisch im Umgang sein, noch so durch geistige Fähigkeiten exzelliereri* wenn er in puncto Zionismus versagt, empfinden wir ihn als einen schlechten Bundesbrud?.r, als einen Menschen, der innerlich nicht zu uns gehört. Die Sentimentalitäten der gojischen Bundesbrüderlichkeit müssen wir uns abgewöhnen, wie Blumerifeld mit Recht sagt. Efc muß hier jedoch mit aller Entschiedenheit betont werden, daß die überwiegende Mehrheit der jüngeren Generation nicht daran denkt, das" Gefühl der Bundesbrüder'ichkeit nur auf düe Bundesbrüder' beschränken zu wollen, mit denen sie sich durch die gleiche Auffassung innerzionistischer Fragen ganz'besonders eng verbunden fühlt. So entschieden wir von unseren Bundte- 'brüdern zionistische Tatfreudigkeit fordern, so wenig verlarigen wir Uniformierung der Geister in jenen allerpersönlichsten Fragen der zionistischen Betrachtungsform, in unserer auf dem Prinzip der Bundesbrüderlichkeit aufgebauten1 Tatgemeinschaft steht neben dem entschiedensten Anhäinger des praktischen Palästinazionismus als Gleichberechtigter der entschiedenste Herzlianer -oder der überzeugteste Misrachist. Wir verwahren uns dagegen, daß Kämpfe zionistisch-politischer Natur im Rahmen des Kartells ausgefochten werden. Nun ist es richtig, daß mit der verschiedenen Auffassung zionistischer Fragen aüch eine verschiedene Beurteilung der Frage nach den Aufgaben unseres Kartells und der Erziehung unserer Bundesbrüder in innerem Zusammenhange steht. Da ist es selbstverständlich das Recht der für eine 'Neuorientierung eintretenden Alten Herren, auf dem Kartelltage mit ihren Forderungen aufzutreten und zu versuchen, ihre Auffassung durchzusetzen. Doch diese Meinungskämpfe müssen mit Anstand und Bundesbrüderlichkeit, frei von Demagogie