Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 12. Kriegsheft (27.11.1916)
- Date
- 1916-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-324 Der Jüdische Student jüdische Jugend vorwärts zu treiben, sie besser und jüdischer zu machen. Mir schwebt vor eine nationale Gemeinschaft der Jugend, für die der Glaube an die Zukunft unseres Volkes zum alles beherrschenden Lebensprinzip geworden ist und die gewillt ist, hierfür persönliche Opfer zu bringen. Wie machen wir uns jüdischer? Das ist das Problem, das uns und nicht nur uns heute am meisten beschäftigt. Es läßt sich nicht leugnen, daß die bisherige Art der nationalen Propaganda uns nicht mehr befriedigt, daß sie nicht den Erfolg ge-, habt hat, unser Leben umzugestalten. Daher der verzweifelt? Aufruf von Berthold Cohn und Preuß. Weil s;e sehen, daß wir imGolus dieselben geblieben sind, daß nur die Art unserer Betätigung sich geändert hat, nicht aber unser Wesen, daher ihr Ruf: „Hinaus aus diesen Verhältnissen und hin nach Palästina." Die bisherige Art der nationalen Propaganda bestand darin, daß wir das Wesen des Nationalismus entwickelten, feiner und feiner entwickelten und dann die Nutzanwendung auf das Judentum zogen. Es war dies eine Art abstrakter Nationalismus, der den jüdischen Tatsachen fremd blieb. Wir müssen den jüdischen Tatsachen näher kommen, das ist m. E. der einzige Weg; unser Nationalismus konkreter oder wie man sagt wesenhafter zu gestalten. Die erste jüdische Tatsache bleibt nach wie vor Palästina. Und in diesem Punkte ist in den letzten Jahren zweifellos eine Besserung eingetreten. Der Palästinensismus ist bereits ein konkreter gewordener Nationalismus; wir sind in den letzten Jahren Palästina näher gekommen; Palästina ist für uns nicht mehr ein geographischer Begriff wie etwa vor zehn Jahren. Aber die alleinige Einstellung unseres Nationalismus auf Palästina genügt nicht. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es für viele nicht möglich ist, die Uebersiedlung nach Palästina in ihr Lebensprogramcn aufzunehmen, und wir müssen anerkennen, daß. es neben Palästina noch andere jüdische Tatsachen gibt. Eine solche weitere jüdische Tatsache ist die jüdische Geschichte. Sie müssen wir intensiver und anders treiben als bisher/ Bisher war uns bedeutsam vor allem die Geschichte des 19. Jahrhunderts, weil die Epoche der Emanzipation und der Assimilation uns unsere heutigen Tage verstehen ließ. Gewiß ist das für uns von Wert, es ist aber heute nicht mehr das Wertvollste.