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Der jüdische Student · 1916-11-27 · 12. Kriegsheft (27.11.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
12. Kriegsheft (27.11.1916)
Date
1916-11-27
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Jüdische Student 325 Es muß uns jetzt vor allem auf die Geschichte des jüdischen Volkes ankommen, auf die Geschichte der Zeit, da das jüdische Volk noch ein normales Volksleben führte (auch das Mittelalter gehört in gewisser Beziehung dazu), wir müssen erkennen, welches damals die treibenden Kräfte im Judentum waren, damit wir verstehen lernen, welche Kräfte in Zukunft im Judentum wirksam werden können. Eine solche Art, jüdische Geschichte zu treiben, wird fruchtbarer sein, wird uns jüdischer machen. Eine weitere jüdische Tatsache ist die hebräische Sprache, wertvoll nicht nur als Sprache in Palästina und auf den Kongressen, sondern a*s* jüdische Sprache. Mir persönlich kommt es zunächst gar nicht darauf an, daß ich hebräisch sprechen kann, sondern daß ich einen hebräischen Schriftsteller mit Verständnis lesen kann; dadurch glaube ich, jüdischer zu werden. Auch das jüdische Volk ist eine der jüdischen Tatsachen, und unser bisheriges Verhältnis zu ihm scheint mir für unsern bisherigen abstrakten Nationalismus charakteristisch zu sein. Wir wußten ja immer, daß dort in Litthauen, Polen, Galizien die jüdischen Massen wohnen, die für den Aufbau unseres neuen nationalen Gemeinwesens vor allem in Betracht kommen; wir waren uns in der Theorie vollkommen klar, daß wir eins mit ihnen sind; aber sie waren uns tatsächlich so fern, wie ein auf einem andern Welteile lebendes Volk; auf den Kongressen begrüßten wir ihre Repräsentanten Es bedurfte des Krieges, um uns zu ihnen zu führen, und staunend stehen wir in ihrer Mitte und rufen: „Also so etwas gibt es!" Gewiß, wir negieren das Golus, negieren die Verhältnisse, in denen die Ostjuden leben, aber wir müssen mit diesen Verhältnissen, mit den Juden so wie sie durch diese Verhältnisse geworden sind, rechnen. So beschaffen ist nun einmal jetzt unser Volk! Wir können nicht Volkserlöser und Volksführer sein und dem Volke fern bleiben. Eine innigere Berührung mit den Ostjuden ist unumgänglich notwendig, eine innige Berührung mit dem jüdischen Volke ist auch geeignet uns jüdischer zu machen. Als jüdisches Volk erscheinen mir nur die jüdischen Massen im Osten, Die einzelnen Angehörigen des jüdischen Volkes,, die in Westeuropa wohnen, stellen keine lebendige jüdische Tatsache dar. Die jüdische Gemeindepolitik

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