Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Der jüdische Student allen Fragen der Satisfaktion und des Sports, hochgespannt die Anforderungen, die er im Training an sich und andere stellte; doch außerhalb der von strenger Disziplin beherrschten Teile unseres Verbindungs- und Sportiebens war er stets heiter,, jedem in reiner, vorbildlicher Bundesbrüderlichkeit gern gefällig. Daß er nicht seiner angeborenen Weichheit unterlag, verdankfe er nicht zum letzten dem Ruderverein, und nur, wer ihn bei uns draußen gesehen hat, hat ihn ganz gekannt. Im Jahre 1913, als die Ruder-Abteilung ihre Tätigkeit fast ganz einstellen mußte, gehörte er zu denen, die ihr ihre unentwegte Treue bewiesen. Frei von jeder Blasiertheit war er für Witz und Humor empfänglich wie kein anderer und seine ungebändigte Lachlust konnte oft Bewunderung erwecken.. Bei allem, was er dem Ruderverein war und* was er dem Ruderverein zu danken hatte, war es nur natürlich, daß er auch im Felde eine rege Verbindung mit uns aufrecht erhielt. Schilderten seine Qrüße anfangs den Krieg und seine Schrecken noch mit Humor, so wurden seine Briefe später bei allem unerschütterten Pflichtbewußtsein und bei allem Willen, vorne zu bleiben im Kampf, doch recht schwermütig, voller Sehnsucht nach der Verbindung, dem Zusammensein mit Bundesbrüdern. In einem Brief vom 10. April 1916 entschuldigt er sich, daß er sich vom Urlaub in Berlin nicht verabschiedet habe und legt dar, daß er nur aus Rücksicht auf seine Familie überhaupt gekommen sei. Er fährt fort: „Mir selbst war der Gedanke,, air die Verhältnisse, in denen man arbeiten und seinen Idealen hätte leben können, wenn der Krieg nicht gekommen wäre, auf vierzehn Tage wiederzusehen und dann wieder in dieses Gemisch von Stumpfsinn, Strapazen und Gefahr hineinzurennen, recht unerträglich. Man soll einem Verdurstenden kein Wasser zeigen. Ich wollte die Stätten und die Menschen, mit denen ich den glücklichsten Sommer verlebt hatte und die mir jetzt so unerreichbar waren, nicht wiedersehen. Der Widerspruch zwischen dem, was einmal war und meinem und unser aller Geschick war zu quälend, und auch jetzt, da beim Ansehen des Bildes,, das Du mir schicktest, die Erinnerung an alle schönen Fahrten und Tage, an jene Konvente und Besprechungen lebendig vor mir steht und sich zu schreiendem Gegensatz zur Gegenwart formt, tut mir mein Herz weh. Vielleicht ist es leicht, sich über