Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 299 solche "Sentiments" lustig zu machen; ich kann nicht über sie hinweg und-bin mir doch bewußt, mich früher über ähnliches leicht hinweg gesetzt zu haben. Und das Bewußtsein, mich in diesem Krieg verändert, nicht in meinem von mir bestimmten Sinne entwickelt zu haben, bedrückt mich. Ich arbeite zwar medizinisch, ich lese von jüdischen Dingen und überdenke sie, aber das alles nur schatten- und traumhaft; etwas Anderes, Ungewolltes, was näher zu erklären mir nicht möglich ist, erfüllt mich heute brutal und beherrschend. Ich kann nicht sein, was ich will. Ich komme mir vor wie der Mann ohne Schatten......" Und in seiner letzten Nachricht an uns vom 28. Juli lesen wir heute voller Wehmut — es ist ein Zufallspiel mit Worten? — : „......ich bin bereit, Frieden zu schließen......Das waren die letzten Worte, die er an uns schrieb. Schon am 9. August erfuhren wir die erschütternde Nachricht dadurch, daß ein Brief von uns zurückkam mit Vermerk: Gefallen auf dem Felde der Ehre. Wir haben einen der Allerbesten verloren! Du lebst nicht nur auf unseren zahlreichen Bildern fort, lieber Heinz, Dein Bild isf verknüpft mit der Geschichte unseres engen Kreises, mit den schönsten Erinnerungen an freudigen Sport und Wettkampf, an Fahrten und Biwakieren und Abkochen in Sommerglut und in dunkeln Wäldern und bei Feuerschein, an unser Leben in und mit der Natur. Dein Lachen und Deine Zartheit werden uns fehlen, aber Du wirst in unserer Erinnerung lebendig bleiben, als ob Du gegenwärtig wärst. Ehre Deinem reinen Andenken! Arthur Stein Walter Hirschfeld teilt in einem Briefe an die Maccabaea mit, daß er Angehörige von Biebers Bataillon gesprochen habe. Von ihnen hat er erfahren, daß Heinz Bieber am 3. August wahrscheinlich ein Stunde nachdem er (Hirschfeld) ihn gesprochen habe, im Chapitre-Walde auf dem Wegenach vorn, wo sein Bataillonsstab war, gefallen ist. Er hat, was Hirschfeld besonders hervorhebt, auf dem gänzlicn verödeten Schlachtfeld, wo die meisten Opfer unbegraben liegen bleiben mußten, ein Einzelgrab erhalten. VOM PRÄSIDIUM Bericht über das Feldpostressort Nachdem das Präsidium bereits zu Beginn des Krieges sich in einem Rundschreiben mit den im Felde befindlichen Bundes-