Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537617--3699-3541435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
288 Der. J üdische Student sollen sie Zionisten werden. Findet einer« dann die Kraft, nach? Palästina überzusiedeln, so hat er die höchste zionistische Pflicht erfüllt. Arnold Hildesheimer XL 1 Durch die ganze Geschichte unserer Bewegung geht ein Zwiespalt, der auf dem I. Kongreß mühsam überbrückt, immer und immer wieder hervorgetreten ist, wo ein neues Problem in* den Kreis unserer Betrachtungen , trat. Formuliert wurde der Gegensatz aber verschieden, je nach dem in Frage stehender*' Gegenstand. Aber ob Zionö Zion und politische 7ionisten um' Uganda stritten, ob praktische und politische Zionisten diplomatische und palästinensische Arbeit gegen einander abwogen, oder ob „Opportunisten" und „Radikale1* über die nationalen Grundlagen unserer Propaganda und unserer Idee überhaupt debattierten, stets waren es dieselben Gegensätze und fast immer auch dieselben Männer. Es ist der Streit zwischen Herzl und» Achad Haam, um Judenheit und Judentum. Wem es klar ist,- daß der Zionismus die Lösung der Judenheitsfrage nicht bringen« kann, daß vielmehr für absehbare Zeit ein unendlich großes Galuth einer zahlenmäßig unbedeutenden Siedlung in Erez Israelr gegenüberstehen müsse, wer aber dafür an das Wiedererstehen eines schöpferischen Judentums mit hebräischer Sprache aufr palästinensischem Boden glaubte,, der konnte Uganda nur bekämpfen, konnte in* der Diplomatie nicht mehr als ein -Mitteh sehen, gewisse Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, und dem konnte auch der nationale Charakter unserer Bewegung:; nie zweifelhaft sein. Mit diesem starken Betonen des palästinensischen und des hebräischen Gedankens finden wir aber stetsauch den intensiven Wunsch verbunden, an dieser Renaissance unserer Kultur nicht nur von der Ferne aus Anteil zu nehmen, sondern bewußt und persönlich an ihr mitzuwirken. Das * Gefühl unseliger Halbheit des Einzelnen, dre Unmöglichkeit, hien ganzer Deutscher oder ganzer Jude zu sein, ließ den Wüllen entstehen, durch persönliche Uebersiedlung nach Palästina nicht nur selbst aktiv am Wiedererstehen der jüdischen Kultur mitzuarbeiten, sondern» zugleich die eigene Kulturfrage, wenn nicht zu lösen, so doch» der Lösung näherzubringen und den Kindern die Möglichkeit zu geben, als ganze Juden aufzuwachsen. Aus diesem Geist stammt der Aufruf, der Mittelpunkt unserer Diskussion. Auch Bloch gibt den Zwiespalt zwischen Judentum und* Deutschtum in uns zu. Aber für Bloch existiert nur Erkenntnis- (wie einst zur Zeit der „Neuen Aera", vgl. Mitteilungen des K. Z. V.,. „man soll nicht soviel mit ,sollen^ operieren")* Er begnügt sich an der Erkenntnis dieses Zwiespalts^ ersieht.eine Lösung;