Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 237 .als die unseren, wenn sie auf gesichertem geistigen Boden ger lührt .werden-, v . i.. | i; . Und'damit komme ich noch einmal auf ein Problem zurück, das uns Krojanker warnend vor Augen führt: die •Gefahr der -geistigerv Verarmung durch innerliche Uniformierung. •Dieseä! ScheUkTäppenprpblem ist keineswegs so neu, wie iKröjähker meint, sondern so alt wie die Korporation selbst, *nüt "daß die vermeintliche Scheuklappe eben heute Palästina iheißt, wahrend sie früher andere Namen führte. Einst hieß sie korporativer Zwang, ja in den V.J.St.-en hieß sie sogar lange Zeit Zionismus. Man befürchtete eine geistige Verarmung, wenn man die Bundesbrüder darauf einfuxte, Zionist zu werden. .Auch iü meiner Zeit haben uns Bundesbrüder verlassen, weil sie in . ihrer Entwicklung beengt zu sein behaupteten. Ob aus ihhkh etwas geworden ist, was!ihren damaligen geistigen Hoch\ »mut berechtigt hätte, weiß ich nicht; glaube es jedoch .nicht, dehn ich habe niemals gehört, daß ^einer von ihnen sich jüdisch oder sonstwie hervorgetan hätte. Dagegen weiß ich, daß die meisten, ^von denen, die damals das Korporationsleben einschließlich der „Vereirismätzerei" aus vollem Herzen mitgemacht haben, eine gute, ja manche eih^ gläqzende Entwicklung genommen haben.v Es i§t "nämlich gar nicht wahr, daß der Drill die persönliche En£ vwidkiuhgsmöglichkeit untergräbt. Jeder Von; uns hat trotzdem seiriferf Sturm und Drang erlebt. Und/geradegegen diesen Druck4 sietzt $ich " durch, w,er wirklich Persönlichkeit ist. Und die"andern werden wenigstens zu organisierten Zionisten er-, .zogeb*'1 während" sie sonst riür als jüdische Spießer durchs Leben gehen würden. Wer von uns verdankt nicht eine Unmenge von''. Ätrtegüngen-auch nichtjüäischer Art dem Freundesverkehr :seirt^f Korporations^eit? Krojanker möge mir "einen irgendwie maßgeblichen'Einfluß inr K. J. V. zeigen; dahingehend,' „auf jede Art yoti Kurist als auf eine Tändelei der Entwurzelten"' herab« .zusgtieni. * Will er aber leugnen, daß — um bei seinen Ben spielen zü bleiben — im Leben Heines und' Gates (ich haben letzteren „wirklich" gelesen) tatsächlich eine gewisse jüdische Trägik liegt? Däs 1 K. J: V; ist eine Tendenzorganisatiön mit :ganzl bestimmten Erziehurigstendenzen. .Krojankers Erziehungsmaximen sind/eine iüeelle Forderung ohne praktischen Wert; Und' zugegeben, daß wir in dfcn Jahren unserer Aktivität' wirklich manches zu lesen versäumt haben; haben wir es nicht längst nachgehölt, und haben wir nicht in dieser Beschränkung an menschlichen und sonstigen Werten unendlich viel mehr;gewonneiij als wir an Bildungswerten verloren haben? 4 ,..Es .muß wohl schon dabei bleiben : keinem unserer Jungen .soll, seine persönJiche Entwicklung genommen werden, aber alle