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Der jüdische Student · 1916-09-20 · 11. Kriegsheft (20.9.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
11. Kriegsheft (20.9.1916)
Date
1916-09-20
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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-286 Der Jüdische Student Sie sagen nur.das eine: „Wir gehen, wer kommt mit?" Daher sind ihre Aussichten für die Bewertung der Sache völlig belanglos. Sie werden wissen, daß ihr Plan mißlingen kann. Das müssen sie mit sich selbst ausmachen. Aber welches Volk hat ohne solche Opfer einen Aufschwung genommen? Und wenn es ihnen gelingt, sich wirtschaftlich durchzusetzen, so ist es noch keineswegs erwiesen, daß sie dort auch die seelische Befreiung finden, die sie erhoffen Vielleicht werden, sie eine Enttäuschung erleben. Weniger, glaube ich, aus geistiger Verarmung. Denn wer will die Möglichkeit leugnen, daß vielleicht aus unseren Kolonisten ein neuer Bauerntyp erwächst? Der Fabrikarbeiter, der nach des Tages Arbeit ein klassisches Drama ansieht, war vor dreißig Jahren auch eine unbekannte Erscheinung. Und es will doch wohl niemand im Ernst behaupten, daß landwirtschaftliche Tätigkeit mit geistiger Primitivität gleichbedeutend ist. Dann wäre allerdings nicht für die nächste Zeit, sondern für immer über unsere jüdische Siedelung der Stab gebrochen. Aber vielleicht wird ihre Enttäuschung eine andere Ursache haben. Vielleicht werden sie nämlich die Erfahrung machen, daß es den Typ Jude schlechthin, den sie suchen, noch gar nicht gibt, sondern daß sie dort bleiben, was sie hier waren: deutsche Juden, nur eben dort ohne die Annehmlichkeiten westeuropäischer Kultur. Was dann? Ich will mich nicht aufs Prophezeien verlegen. Dieses Erwachen aus einem schönen Traume muß schmerzlich sein. Aber es bleibt ihnen der Trost, daß was sie sich persönlich nicht erkämpfen konnten, ihren Kindern in den Schoß fallen wird. Von hier aus betrachtet, gewinnt das Problem ein ganz neues Gesicht. Geben wir ehrlich zu, daß das Problem nicht nur der nationalen sondern überhaupt der jüdischen Kindererziehung außerhalb der Orthodoxie bisher nicht gelöst ist. Selbst das beste, was darüber gesagt ist (ich verweise auf den Artikel von Hugo Heirmann im Sammelbuch „Vom judentum" des Prager Bar Kochba), gibt uns keine praktischen Möglichkeiten. Nichts ist uns gegeben, um unseren Kindern die Problemstellung zu ersparen,, an der wir selber gelitten haben. Sie müssen wieder ganz von vorn anfangen, und wir haben keine Gewißheit, ob sie die entscheidende Frage, bei der wir mit ganzer Seele ja gesagt haben,, nicht mit nein beantworten werden. Diese Sorge kann es in Palästina nicht geben. Und ihrer enthoben zu sein, das muß ein Glück sein, das manche Enttäuschung ertragen hilft, Aber,, so höre ich fragen, verdanken wir nicht alle diesem unseren inneren Konflikt den besten Teil unserer Entwicklung? Wollen wir unseren Kindern das Glück dieser Kämpfe nehmen, an die wir mit Freude zurückdenken? Nun, unsere Kinder sind auch, jüdische Kinder. Ihre geistigen Kämpfe werden, sie schon haben. Nur daß sie vielleicht fruchtbarere Ergebnisse zeitigen werden*

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