Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 11. Kriegsheft (20.9.1916)
- Date
- 1916-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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285 notwendig, und sie stellt für uns alle, die wir uns ihr ergeben haben, einen wesentlichen Teil unseres Leb&isglückes dar. Aber •sie ist doch eben nur Etappendienst. Will jemand im Ernst ^behaupten, daß sie den Weg zur inneren Befreiung bietet? Ich 'behaupte, daß die Arbeit für seine Idee dem K. C.-er und Zentralvereinler dieselbe Befriedigung gewähren kann wie uns die unsrige. Wo ist da der Unterschied-?' Bileski hat das richtig erkannt Ihm hat der Krieg nicht so sehr die Notwendigkeit eines unmittelbaren Ueberganges nach Palästina als den stärksten Wunsch mach Rückkehr in unsere Gemeinschaft erweckt. „Es ist nicht .anders, wir müssen unsere Sehnsucht in zionistischer Arbeit stillen und wir dürfen in der Gemeinschaft der zionistischen .Arbeiter ein Leben erhoffen, das uns einen gewissen Ersatz für «Palästina bietet" Ihn also beglückt nicht so sehr wie Hirsch -die Arbeit selbst, wie das Leben in der Gemeinschaft der Arbeiter. Das will ich gelten lassen. Aber diese Gemeinschaft ist ein rein Berliner Gewächs, nirgends sonsthin hat sie sich bisher verpflanzen lassen. Worin soll für uns anderen, die dieser Gemeinsamkeit nicht teilhaftig sind, der Ersatz für Palästina bestehen? Etwa nur in dem Bewußtsein, daß in Berlin ♦eine sölche Gemeinschaft existiert? Wäre es möglich, außerhalb Berlins die gleiche zionistische Atmosphäre zu schaffen— mancher, •der mit seinem Weggang von Berlin gleichzeitig der Sache verloren ging, wäre uns erhalten geblieben. Die Möglichkeit besteht .aber leider nicht. Die .Gründe liegen zum Teil in dem Mangel *an .Personen, zum Teil sind sie anderer Art Jedenfalls ist es eine Tatsache, daß, da man als einzelner den Strom nicht aufhalten kann, von dem großen Gegensatze zwischen uns und »den anderen nicht viel übrig bleibt Leute anständiger Gesinnung gibt es unter den anderen auch. Und so sehen wir als Ergebnis, daß alle die, die nicht nach Palästina übersiedeln, •oder die nicht das Glück haben, in einem Kreise wirklich Gleich- .gestimmter zu leben, für sich dasselbe Bourgeoisleben haben wählen müssen, das auch alle Nichtzionisten lebenJ Das ist traurig; aber es hilft kein Vertuschen! Und nun kommen da zwei Bundesbrüder, die diese Tatsache einmal .ehrlich konstatieren. Zwei Bundesbrüder, die ernst ♦machen wollen mit dem neuen Menschen, der durch den Zionismus geworden zu sein alle behaupten; die aus lauterer Begeisterung und reiner Liebe zur Sache das bequeme Leben hier mit dem unbequemen dort vertauschen wollen. Wer wagt es, »ihnen in den Arm zu fallen? Wie leicht ist es zu sagen, daß wir eine neue Bilu nicht gebrauchen können und daß sie dem .Zionismus nichts nützen? Darum handelt es sich hier ja gar nicht Sie prätendieren ja gar nicht, Beauftragte des Zionismus .zu sein. Sondern für sie handelt es sich um eine höchst persönliche Angelegenheit, um die Rettung ihrer eigenen Seele.