Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537616--3675-3541410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 265 Kenntnisse in die Korporation mit. Dieser Umstand hatuns aber noch nie veranlaßt, für solche Bundesbrüder besondere Korporationen zu schaffen. Ein guter Fuxenunterricht wird auch diesen Bundesbrüdern noch erhebliche Anregungen bieten können. Die intensivere Form des Zusammenlebens im Blau- Weiß, mit der Oppenheim die Blau-Weiß-Korporation weiter begründen will, ist dadurch bedingt, daß sich die Blau-Weißen in einem bestimmten Entwicklungsalter befinden, welches alle Voraussetzungen für dieses intensive Zusammenleben schafft. Sobald sie als K. J.V.-er in den Kreis der Erwachsenen treten, entfallen alle diese mit dem Pubertätsalter zusammenhängenden Voraussetzungen für deninnigenZusammenhangdieserJugend. DerZusammenschluß der Einzelnen beruht eben, wie dies von anderer Seite einmal gesagt worden ist, im Blau-Weiß auf triebhafter, im K.J.V. auf geistiger Grundlage. Ein Blau-Weiß, der aus 18- bis 25Jährigen besteht, ist undenkbar. Deshalb sehe ich in der Blau-Weiß-Korporation keinen Vorteil, sondern nur die von mir oben angedeuteten Schäden. Im übrigen wünsche ich freilich mit Oppenheim ein weitgehendes Eigenleben der Einzelverbindung. Sie soll aus ganz homogenen Menschen bestehen, unter denen eine enge Bundesbrüderlichkeit möglich ist, die wir im großen Kartell doch nicht erreichen können. In den hierauf gerichteten Forderungen stimme ich mit Oppenheim überein. Den Standpunkt von Qidion kann ich noch weniger teilen. Unser Erziehungsziel ist es noch nie gewesen, geeignete Blau- Weißführer heranzubilden, sondern zionistische Männer zu schaffen. Ich bin sicher sehr dafür, den Kaffeehausgeist durch' das Wandern im Kreise der Korporationen zu ersetzen, aber man soll nicht glauben, daß dies ein Mittel ist, um Blau-Weißführer zu erzielen. Die Blau-Weißführer können nur aus dem Blau-Weiß selbst herauswachsen. Weil ich unser Ziel anders sehe als Qidion, deshalb glaube ich auch, daß unsere Erziehungsmittel für unsere Zwecke nicht so schlecht sind. Gewiß, mit Bierkomment wollen wir unsere Fuxe nicht mehr füttern. Das hat auch wenigstens in Berlin schon lange aufgehört (ohne da& dadurch die Menschen übrigens wertvoller geworden wären). Aber wenn Fuxenstunden und Vortragsabende nach Gidions Ansicht als wenig anregend empfunden werden, so mag dies eben an der Unzulänglichkeit der Menschen liegen, die hierfür