Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537616--3674-3541409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 Der Jüdische Student gesetzt, daß sie ihre Existenzberechtigung beweisen, und es sich nicht nur um mißvergnügte Eigenbrödler handelt — sie anerkennen. Wenn die Entwicklung des Blau-Weiß dahin gehen sollte, so werden wir sie nicht verhindern können. Das eine aber wollen wir festhalten: wir wollen vor der zwanzigjährigen Entwicklung unseres Korporationslebens etwas mehr Achtung haben, dürfen nicht, was uns noch gestern als gut galt, morgen zum alten Eisen werfen. Unsere Korporationsform und unsere Erziehungsmethode sind an sich wohl geeignet, wertvolle Menschen zu erziehen. Und wenn man fühlt, -daß die Resultate der Erziehung und die Erfolge unserer Werbekraft zu wünschen übFig lassen, so soll man nicht glauben, durch Aenderungen von Form und Methode Besserung zu erzielen. An uns selbst liegt es. Tun wir unser Bestes und bemühen wir uns, unserem Nachwuchs in jeder Beziehung vorbildlich zu sein! Dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. - Nachschrift des Verfassers. Die obigen Ausführungen waren bereits niedergeschrieben, als mir die Aufsätze von Oppenheim und O i d-i o n im letzten J. St. bekannt wurden. Ich möchte mich noch kurz mit ihnen auseinandersetzen. Beide gehen an dem wichtigsten Punkte, nämlich an der inneren Verschiedenheit von K.J.V. und Blau-Weiß vorbei. Oppenheim erwähnt in einem Nebensatz, daß bei der natürlichen Neigung des jüdischen und vor allem des aus der Wanderbewegung entstammenden Studenten zum Freistudententum leicht eine Menge wichtiger Leute verloren gehen könnten. Er geht aber auf die Ursache dieser Erscheinung nicht weiter ein, sondern begründet seine Forderung nach der Blau-Weiß-Korporation aus der größeren Reife der Blau-Weiß-Jugend zionistischen Fragen gegenüber und der intensiveren Art ihres Zusammenlebens. Beides erscheint mir nicht stichhaltig. Die Blau-Weißen sind nicht zionistisch reifer, sondern sie sind infolge einer natürlichen Erziehung, und weil sie eben in einem jüdischen Milieu leben, Nationaljuden. Einige Aeltere haben sich auch, was aber nicht zum Wesen der Blau-Weiß-Erziehung gehört, mit dem Zionismus wissenschaftlich beschäftigt. Das haben aber andere Keilfüxe, die nicht aus dem Blau-Weiß stammen, auch getan, manche, so z.B. die Jung-Judäer, brachten beträchtliche zionistische