Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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262 Der Jüdische Student unserer jüdischen Erziehung möchte ich insoweit entgegenkommen, als ich eine größere Freiheil des Einzelnen, die ihm zusagende jüdische Gegenwartsarbeit zu leisten, gutheißen würde. Hierbei kommen wir auf Fragen, die uns schon oft beschäftigt haben. Bisher verlief die Ausbildung unserer Bundesbrüder so, daß jeder etwa vier Semester aktiv war. Während dieser Zeit mußte er alles mitmachen, was die Korporation von ihm verlangte: Konvente und Kneipen, hebräische Kurse, Fechten, Sport, Wandern und anderes. Was an sich gut war, mußte betrieben werden, gleichviel ob der Einzelne dafür empfänglich war oder nicht. Die Folge war, daß nichts ernsthaft betrieben und doch gleichzeitig über Ueberlastung des Wochenprogramms geklagt wurde. Wer seine vier Semester hinter sich hatte, ließ sich in gründlichem Korporationsüberdruß inaktivieren und zog sich meist für Semester von der Korporationsarbeit zurück. Sein Tun unterlag keiner Kontrolle mehr, er war gänzlich frei, kam nur gelegentlich auf die Korporation, die ihm gründlich mißfiel, weil er immer mehr den Zusammenhang mit ihr verlor. Dieser Zustand, unter dem unser Korporationsleben seit Jahren leidet, muß geändert werden, nicht nur um des Blau- Weiß willen, sondern weil wir diesen Zustand längst als verbesserungswürdig empfinden. Ich denke mir eine Aenderung folgendermaßen: Die Aktivitätszeit ist grundsätzlich auf drei Semester oder auf noch kürzere Zeit zu beschränken. Sie soll nicht den Hauptinhalt des K.J.V.-er- Daseins. ausmachen, wie die Aktivitätszeit beim deutschen Studenten, sondern sie soll nur die Zeit der Erziehung zum K.J.V.-er sein, in welcher der junge Bundesbruder seine jüdische und studentische Ausbildung erhält. Das Ziel der Aktivitätszeit ist die Erziehung zum K. J. V -er-Bewußtsein. Mit der Inaktivität setzt aber erst die eigentliche jüdische Arbeit des K. J. V.-ers ein. Die inaktiven Bundesbrüder sollen sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen und mögen nach ihren persönlichen Anlagen wissenschaftliche, organisatorische, soziale oder Erziehungs-Arbeit leisten, mögen in den Wander-,*) Turn- oder Sportorganisationen *) Erst der Inaktive soll im Blau-Weiß mitarbeiten. Unsere Aktiven oder gar unsere Füxe sollen noch nicht Blau-Weiß-Führer werden. Ihre korporative Erziehung leidet darunter aufs schwerste, wie die Erfahrung zeigt. •Die Blau-Weiß-Führerschaft ist in diesem Sinne zu beeinflussen. Wir dürfen Jedenfalls unsere Aktiven nicht mehr für den Bi.-W. freigeben.