Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537616--3670-3541405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Der Jüdische Student den Gründern des Blau-Weiß vorschwebte, darf im Wesentlichen,, als geglückt bezeichnet werden. Die Jugend des Blau-Weiß: hat sich trotz des Wanderns im deutschen Walde und trotz des deutschen Volksliedes dem jüdischen Nationalismus zugewandt. Man sollte nun geneigt sein anzunehmen, daß, da ein* innerer Gegensatz zwischen dem jüdischen Ziel des K.J. V. und des Blau-Weiß, nicht besteht, der fertige Blau-Weiße den Wunsch hat, seine weitere jüdische Entwicklung im K. J.V. zu vollenden- Dies trifft »aber, nicht zu. Der Blau-Weiß hält vielmehr — abgesehen von seiner Abneigung gegen das Korporative — die jüdische Erziehung im K. J. V. für einseitig, glaubt, daß sie nur auf Heranbildung von Parteizionisten gerichtet ist und befürchtet, daß ihm unter dem Drucke des korporativen Zwanges zu* einer seinen persönlichen Interessen und Fähigkeiten entsprechenden jüdischen Gegenwartsarbeit keine Gelegenheit bleibeni werde. Mit anderen Worten: der Blau-Weiß lehnt das K. J. V. nicht seines jüdischen Inhalts wegen ab, sondern weil ihm seine jüdische Arbeitsmethode eng und einseitig die studentische Formen fremd und nicht nachahmenswert erscheint. Der Gegensatz zwischen K.J.V. und Blau-Weiß liegt also nicht in ihrem Wesen sondern in Arbeitsmethode und Form. Beides ist nicht unabänderlich. Wir wollen sehen, inwieweit wir Zugeständnisse zu machen, imstande sind. Von allen Reformvorschlägen der verkehrteste wäre der von uns die Uebernahme der Formen des Blau-Weiß zu verlangen. Man mag vielleicht bei uns das Wandern einführen,, aber immer nur in der Erwägung, hierbei eine wertvolle Form der Geselligkeit zu finden, die den engeren Zusammenschluß der Bundesbrüder zu fördern äußerst geeignet ist. Niemals aber werden wir trotz Zelt und Hordentopf dem Blau-Weiß ähnlicher werden. Unsere Bundesbrüder werden schon an» äußerer Technik des Wanderns hinter dem Blau-Weiß stetszurückbleiben, obwohl sich hier durch energische Leitung vieles erreichen ließe. Aber damit ist es nicht getan. Die Romantik, die in dem Jugend wandern steckt, die schwärmerischen- Jugendfreundschaften sind Dinge, die sich auf das Zusammenleben Erwachsener überhaupt nicht übertragen lassen. Deshalb ist ja der Vorschlag, der dahin geht, unser Korporationsleberv in den Formen des Blau-Weiß weiter zu entwickeln, eine ganz unge-