Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Der Jüdische Student Gleichgültigkeit und Denkfaulheit keine Stellung genommen; hatten, war die korporative Form das Lockmittel, die Eselsbrücke, die sie auch innerlich allmählich zu uns herüberführte. Aber auch diejenigen, die bereits als Nationaljuden zu uns kamen, nahmen im allgemeinen keinen Anstoß an unseren korporativen Formen, deren Notwendigkeit sie aus Zweckmäßigkeitsgründen anerkannten, selbst wenn sie ihnen gefühlsmäßig nichts bedeuteten. Anders der Blau-Weiße. Er hat bisher gleich uns in einer Gemeinschaft gleichartiger Menschen gelebt, mit denen er zum Teil durch enge Freundschaft verbunden war, und unter denen er allmählich zu einer anerkannten, vielleicht auch führenden Stellung aufgerückt ist. Ihm fehlt durchaus die Haltlosigkeit und Vereinsamung, die den jungen Studenten so oft halbwider Willen den Einflüssen der keilenden Verbindung unterliegen läßt. Ist er bewußter Nationaljude und Zionist, so wird er, wenn er sonst zum Führer geeignet ist, auch weiterhin im Blau-Weiß ein Arbeitsfeld haben. Unsere korporativen Formen werden ihn jedoch bestimmt nicht. locken, aktiv zu werden. Die alkoholische Form unserer Geselligkeit ist ihm zuwider. Für die romantisch-sentimentale Kneipstimmung, an der wir uns in unseren Studentenjahren begeistert haben oder zu begeistern» vermeinten, empfindet er kein Verständnis, sondern eher Verachtung. Besondere Abneigung empfindet er gegen unsere korporative Disziplin, die Unterordnung des jüngeren unter den älteren, überhaupt gegen alle steifen Formen des Comments.. Selbst das Fechten in der Verbindung mit der Satisfaktion ist ihm, sicher nicht aus Mangel an Mut, wegen des dazugehörigen Comments unsympathisch. Aus alledem muß man den Schluß ziehen, daß unsere bisherige Auffassung, die im Blau-Weiß ein weites Rekrutierungsfeld für das K.J.V. erblickte, irrig ist. Mit anderen Worten: die Blau-Weiß-Erziehung mündet zwar in das Nationaljudentum, nicht aber in das K.J. V. Man halte mir nicht die unbestreitbare Tatsache entgegen, daß bisher die meisten Blau-Weißen. K. J. V.-er geworden sind. Ihre Zahl ist absolut genommen noch zu gering, um Schlüsse zu gestalten. Es handelt sich» auch zum Teil um Leute, die aktiv geworden sind, bevor im« Blau-Weiß die von mir dargelegten Anschauungen sich durchgesetzt haben; zum Teil auch um Leute, die aus der Jung-Juda.