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Der jüdische Student · 1916-08-18 · 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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256 i Der Jüdische Student faltigen, in Palästina möglichen Wirtschaftstypen zu antworten, erscheint mir unmöglich. Ich behandle diese Fragen in einer besonderen Schrift, die sich jetzt im Drucke befindet. Zur Orientierung will ich jedoch hier darauf hinweisen, daß Leute, die über ein Kapital von etwa 50- bis 60 000 Frcs. verfügen, fertige Orangepflanzungen von 40 bis 50 Dunam vor dem Kriege kaufen und daraus eine Reineinnahme von 10, bis 12°/0 erhalten konnten. Mit geringeren Geldmitteln, mit etwa 25- bis 30 000 Francs, konnte ein Kolonistenanwesen von 200 bis 250 Dunam erworben werden, das aber erst noch bedeutend ausgebaut werden mußte, um gesicherte Erträge abwerfen zu können. Mit Hilfe derselben Summe war es möglich, eine unbewässerbare Planzungsanlage von etwa 120 Dunam, hauptsächlich mit Mandelbäumen bepflanzt, zu kaufen, die einen Reinertrag von 1500 bis 1800 Frcs. abgab. Mit geringeren Kapitalien konnte man kaum zu einer Wirtschaft gelangen, die sofort eine Rente abwarf. Nach dem Kriege werden sich vielleicht Möglichkeiten zur Begründung von Wirtschaftstypen erschließen, bei denen mindere Kapitalanlagen erforderlich sein werden als bisher. Es würde sich evtl. um Molkereien und Gemüsegärten handeln, die weniger Geldmittel und Zeit bis zum Eintritt der Rentabilität verlangen. Da werden wohl ein bis drei Jahre genügen, bis solche Betriebe Reinerträge ergeben. Für Molkereien, die den Lebensunterhalt einer Familie mit mittelmäßigen Ansprüchen sichern können, werden immerhin 15- bis 20 000 Frcs. nötig sein, wobei als Voraussetzung die Selbstarbeit der Familienmitglieder ins Auge gefaßt werden muß. Für Gemüsegärten, die in der Nähe von Städten durch tüchtige, praktisch erfahrene Leute angelegt sein werden, dürften einige tausend Francs genügen. Aber ausgezeichnete Kenntnis fies Gemüsebaues und der lokalen Anbau- und Absatzverhältnisse, sowie die Anwendung eigener Arbeit werden dabei stets unbedingte Voraussetzung sein. Auf die Resultate des Gemüsebaues braucht man nicht lange zu warten. Es werden Geldmittel zum Lebensunterhalte im Laufe bloß eines Jahres, höchstens von zwei Jahren, genügen, wozu für einen alleinstehenden Mann etwa 600 Frcs. pro Jahr und für eine Familie, bei bescheidenen Ansprüchen, 900 bis 1500 Frcs. pro Jahr notwendig sind. Wenn es sich überhaupt um „wirtschaftliche Unabhängigkeit" handelt, wie die Frage 2 gefaßt ist, muß auf den Faktor der selbständigen Arbeitsleistung sehr starkes Gewicht gelegt werden, es sei denn, daß die Investierung recht bedeutender Kapitalien in Betracht kommen. Die Begründung von Plantagenbetrieben und noch mehr von Getreidebau-Wirtschaften verlangt in Palästina eine Zeit von mehreren Jahren und beträchtliche Kapitalien bis die Periode von Reinerträgen eintritt. Ich unterlasse, die Frage der Beihilfe durch Kreditgewährungen zu

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