Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 253 Für die erste Zeit werden Praktikanten und ganz unerfahrene Arbeiter gar nicht oder sehr schlecht bezahlt, so daß Zuschüsse aus eigenen Mitteln notwendig sind. Vielleicht werden aber gerade während des Krieges leichter als sonst Gelegenheiten zum praktischen Anlernen sich finden lassen und vielleicht wird jetzt dem anfangenden Praktikanten, Lehrling und Arbeiter in Gärtnereien und auf Gütern besser gezahlt wie gewöhnlich. Man müßte über die gegenwärtigen Lohnverhältnisse bei einer Reihe von einschlägigen Betrieben und Firmen anfragen. Die jungen Leute haben von vornherein sich als einfache Lehrlinge zu betrachten und nicht etwa als Studenten. Sie müssen dementsprechend in den Betrieben, wo sie zur Praxis zugelassen werden, sich verhalten. Junge Leute, welche anders auftreten werden, wird man in geordneten Wirtschaften nicht lange dulden. B. Mit Bezugnahme auf Ihren werten Brief vom 9. Juli, enthaltend die Anfrage eines jungen Herrn, eines bisherigen Kaufmanns, der nach Friedensschluß in einem landwirtschaftlichen Beruf nach Palästina übersiedeln möchte, beehre ich mich, in folgender Weise Ihre einzelnen konkreten Fragen zu beantworten. 1. Kann der Kandidat sich schon während der Lehrzeit seinen Lebensunterhalt verdienen? Er hat keine Vorkenntnisse. Während der Lehrzeit, die der betreffende junge Herr in Deutschland durchmachen könnte, wird er kaum, namentlich in den ersten Monaten, eine Entlohnung bekommen, da er ja keine speziellen Vorkenntnisse hat. Wird er in eine gut geleitete Wirtschaft Aufnahme erwirken — und nur in einer solchen wird er mit Nutzen die Lehrzeit verbringen —, so muß er wenigstens das erste halbe Jahr, und vielleicht auch das ganze, eigene Geldmittel zur Bestreitung seines Unterhaltes besitzen. Auf einem Gute dürfte er mit 30 bis 40 M. im Monat auskommen. Eine Summe von 180 bis 240 M. wird also ausreichen, falls er bloß ein halbes Jahr unentgeltlich arbeiten muß. Gewöhnlich zahlen junge Leute, die als Volontäre in einer Wirtschaft lernen wollen, noch darauf, und zwar 1200 bis 1800 M. im Jahre. Infolge des Mangels an Arbeitskräften und intelligenteren Angestellten werden während der Kriegszeit vielleicht auch ohne derartige Honorare Volontäre aufgenommen, die in der Wirtschaft sich nützlich erweisen können. Allerdings ist es viel ersprießlicher, als Gutslehrling in einem landwirtschaftlichen Betriebe zu lernen denn als Volontär. Für einen Lehrling müssen für die Lehrzeit mindestens drei Jahre angesetzt werden, besser vier Jahre. Es ist ratsam, mit dem Gutsherrn resp. dem Verwalter einen Vertrag abzuschließen, nach welchem letzterer sich verpflichtet, für die praktische Be-