Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 251 keit. Solange wir a^s Akademiker oder Kaufleute seinen Inter essen dienen und im übrigen unsere Verpflichtungen erfüllen* sind wir nützliche Mitglieder der deutschen Oesellschaft, haben wir auf ihre Bildungsmittel allen Anspruch und empfinden uns in diesem Sinne durchaus als vollwertig. Geduldet fühlen wir uns nur in ihrer geistigen Kultur, und dieser Antrieb unserer nationalen Tendenzen müßte dem Staat eigentlich recht sympathisch sein Daß wir uns trotzdem jene Kultur aneignen müssen, weil wir eine andere noch nicht besitzen, das ist gewiß ein tragisches Schicksal,aber es bleibt unsere eigene,eine innerjüdische Angelegenheit: die Kultur liegt selbst im Weltkrieg offen ausgebreitet, jeder kann sie nach seinem Geist verwenden, sie kennt kein Danken und Schuldigbleiben. Und nicht weniger kurzsichtig scheint uns 'Krojankers Vorwurf, die Jugend werde von nationalen Fanatikern verführt, deren „Palästinadressur unter allen Umständen aufhören muß''. Damit verkennt er gründlich das Wesen der Jugend, die sich nie bei dem beruhigen wird, was ihre Vorgänger in schweren ^Kämpfen erreichten, sondern es besser haben will und nach reicheren Möglichkeiten sucht, gerade weil unser Kampf für sieschon -eine erledigte Sache ist. Man mag sie datür tadeln, aber man täusche sich nicht über die Kraft jedes durch eine tragfähige Idee entzündeten Willens: er läßt sich nicht nach zweckmäßigen Erwägungen beliebig an- und abschwellen, sondern führt, einmal geboren, ein eigenes, von Theorien recht unabhängiges Leben und rollt aus sich selbst seiner Zukunft entgegen. Wer das nicht will, wer für diesen Drang zu jüdischer Wirklichkeit;nur Spott hat, anstatt in ihm das unzerstörbare Lieben des Zionismus zu erkennen, der tut besser, überhaupt nicht erst anzufangen. Nicht wir verführen die Jugend, sondern die Jugend verführt uns, ihr Wagemut schützt unsere Ideale vor dem Versanden und zeigt wieder den einzigen Weg, den wir gehen müssen, wenn wir durch uns für kommende, «Geschlechter sorgen wollen. Ob wir ihn gehen können, ob selbst die Jugend ihn immer gehen kann, ist eine rein praktische Frage, die die innere Notwendigkeit überhaupt nicht berührt. Aber der Palästinaaufruf hat uns wieder daran erinnert, daß nur kümmerliche Genügsamkeit aus der Golustragik einen Beruf machen kann, wir schätzen es nicht, die Entscheidung auf unsere 'Urenkel abzuwälzen, die im besteh Fall dieselben verzweifelten Probleme lösen müßten, und können nicht anders, als die Unmöglichkeit der Uebersiedlung nach Palästina für eine verlorene Chane ein unserm Leben zu halten. Siegfried Weitzmann IX Die wirtschaftlichen Aussichten Das Zionistische Zentralbureau überläßt uns zwei gutachtliche Aeußerungen des Herrn J. O ettinger, des Leiters der