Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 249 «geistiger Prägnanz schöpfen und sogar in ihren Stoffen die Beziehung nicht verleugnen. Kraus entzündet seine satirische •Kraft an dem entarteten Feuilletonismus der jüdischen Oesellschaf t Oesterreichs; Else Lasker dichtet hebräische Balladen, die, anders als beim Freiherrn von Münchhausen, aus einer ganz originalen Liebe zur biblischen Welt geboren sind und einen tieferen Zusammenhang-mit dem Blute Jakobs offenbaren als der •Gläubigste unserer westlichen Gegenwart noch zugetraut hätte. Man muß nur verstehen, wie hier ein Dichterherz sozusagen -die ganze Kultur liegen läßt und um die verschüttete Größe seines Volkes klagt, und man wird die Macht und die Notwendigkeit des nationalen Willens wieder richtiger bewerten. Wie weit der einzelne von diesem Willen und der ihn bedingenden Liebe ergriffen ist das zeigt entscheidend erst seine Stellung zu Palästina. Solange hiernach nicht gefragt wird, "brauchen die oben charakterisierten Unterschiede noch niemand zn;beunruhigen, weil sich ihre Ergebnisse äußerlich oft genug ähnlich sehen; erst die Bewertung Palästinas gibt den Kultur- und -sonstigen Stimmungen die rechte Farbe. Je nationaler wir nämlich im Golus werden, je mehr wir schon hier eine jüdische Atmosphäre bilden und die Zukunft vorbereiten helfen, um so deutlicher zeigt sich, daß uns im besten Fall nur halbe Tröstungen »erwarten und daß ein Volk erst durch das Leben im Volke wirklich erneuert werden kann. Es ist beschämend genug, solche Wahrheiten wiederholen zu müssen, aber die Argumentation, .noch mehr, die tiefe Abneigung unserer beiden Gegner gegen dieses erste und letzte Ziel Palästina zwingt uns dazu. Nicht zufällig sprechen beide von Palästina als einer Möglichkeit -neben anderen Möglichkeiten und überlassen es freundlich jedem, sich seinen Zionismus auszusuchen, sodaß man schon zufrieden sein'.muß, dieses Ideal überhaupt noch erwähnt zu hören. Und Krojanker kann uns nicht beirren, wenn er seinen eigentlichen Einwänden durch praktische Bedenken einiges Rückgrat zu geben sucht. Um praktische ökonomische und körperliche Schwierigkeiten handelt sichs zunächst garnicht, sondern hier kommt es wie überall im Zionismus, ehe man sich überhaupt weiter verständigt, auf die Einstellung an. Menschen, die in Palästina /geistig zu verarmen fürchten und sich in Deutschland an ihrem Platze tühlen, haben einfach kein Recht, über eine Jugend zu urteilen, die von ganz anderen inneren Gesetzen beherrscht wird. Von ihnen weiß auch ich nicht, was sie in Palästina sollten. Aber wenn sie sich die gleiche Empfänglichkeit wie für die andere auch für die jüdische Entwickelung ihrer Umgebung bewahrt hätten, dann .müßten sie wenigstens merken, wie es mit dieser Jugend steht. Der Blau-Weiß nahm seine Form gewiß vom deutschen Wandervogel und sein Zweck war vorerst, unsere Jungen wieder zur Natur .zurückzuführen. Doch ein kaum vierjähriges Bestehen genügte^