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Der jüdische Student · 1916-08-18 · 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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248 Der Jüdische Student gibt, herauszuholen. Blochs Programm hört sich freilich ganz: ähnlich an, auch er glaubt allerhand für sein Volk zu leisten; wenn er sich durch die Umwelt menschlich bereichern läßt.. Aber die Feinheit des Unterschiedes soll uns nicht über seine Größe täuschen: es ist schon etwas anderes, aus deutschen' Meistern die Aussichtslosigkeit unserer westlichen Aspirationen herauszulesen, als dem von Krojanker fälschlich zitierten Baidur in deutschen Wäldern nachzulaufen, als nicht zu merken, daß' doch auch dieser Gott den ganzen Menschen verlangt und sich auf beschränkte Haftung nicht einlassen wird. Bloch gibt das Empfangene an die deutsche Umwelt zurück und wartet ab, was ein gütiger Moschiach dereinst mit solchem mixtum compositum anfangen werde; uns andere drängt es, das Gewonnene für die jüdische Gemeinschaft umzumünzen und dem Zionismus schon morgen nutzbar zu machen, nutzbarer jedenfalls, als es dem« deutschen Volk je sein könnte. Wir empfinden es, um ein Beispiel zu nennen, schmerzlich, wenn ein Mann wie Friedrich Gundolf, der obendrein zu nationalen Dingen in lebendigem- Verhältnis steht, über Shakespeare und den deutschen Geist schreibt anstatt den jüdischen Geist in der deutschen Literatur zu behandeln und durch seine Erkenntnisse zur Klärung dieser Frage entscheidend beizutragen. Bloch wird uns hier mit Recht Vergewaltigung vorwerfen und eine nationale Einstellung ablehnen, die dem weiten Himmel der deutschen Literatur das Treibhaus jüdischer Leistungen vorzieht. Doch abgesehen davon, daß hierzu immerhin schon das Erlebnis jener Weite gehört und Begabung auch ein enges Milieu bedeutend machen kann, läßt sich ohne solche Opfer allerdings keine nationale Atmosphäre schaffen. Wen die Sehnsucht erfüllt, ein Glied der jüdischen« Gesamtheit zu werden, der darf seine Befriedigung nicht wie die Glieder fertiger Nationen auch außerhalb seines Volkskreises, suchen, sondern muß sich seine Liebe im Zweifelsfall schon, etwas kosten lassen. Höchstens das Genie macht hiervon eine Ausnahme, aber gerade bei ihm gehört zu ungebrochener Auswirkung eine eindeutige, seine eigene nationale Grundlage; es gibt einfach keine deutschen Künstler mit jüdischer Note, sondern bestenfalls jüdische Künstler mit deutschen Akzedeniien. Nur die oberflächlichste Beurteilung kann leugnen, daß Heine als* Mensch und Dichter ein Torso blieb, weil er von keinem einheitlichen jüdischen Volkbewußtsein mehr getragen wurde. Und zwei Künstlerpersönlichkeiten unserer Tage scheinen mir, der eine sogar gegen seinen Willen, zu zeigen — obwohl ich auf Beweise keinen Wert lege —, wie dem erwachenden nationalen, Geist die schöpferischen Ansätze korrespondieren: Else Lasker- Schüler und Karl Kraus, zwei recht verschiedene Naturen, die: aber beide aus der deutschen Sprache Wortverbindungen und. Bilder von ganz undeutscher, ja uneuropäischer, eigentümlich,

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