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Der jüdische Student · 1916-08-18 · 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Jüdische Student 247 'Wechselbeziehung wie bei der Schopenhauerschen Forderung an den Charakter: Werde, was du bist! Das Jüdische liegt -gewiß schon in uns, und unsre Handlungen dienen ihm bestenfalls dazu, sich auszusprechen. Aber daß es sich ausspreche, ►daß es nicht ungenutzt vergehe, dazu bedarf es eben eines handelnden Willens, nicht eines fatalistischen Geschehenlassens. Ja, durch den Willen allein kann es erst aus einer metaphysischen Bedingung zur realen Erscheinung werden, ohne ihn lernen wir -es überhaupt nicht kennen. Auf den Imperativ kommt es an, auf das jüdisch werden, obgleich man doch schon jüdisch ist. Und je mehr wir unser Handeln darauf einstellen, um so leibhafter wird das Jüdische sichtbar und steigert umgekehrt wieder unsre nationale Sehnsucht; der Wille findet sozusagen schon die Basis vorgeformt, auf die er uns stellen soll. Die praktischen .Aeußerungen dieses Erlebnisses sind vorläufig noch winzig genug. Sie unterscheiden sich aber schon wesentlich von dem Geist der beiden Artikel, denen es nirgends um den nationalen 'Willen, sondern nur ganz von fern um die an sich wertlose nationale Idee zu tun ist. Alles hängt von dem lebendigen Prinzip ab, «das unser Fühlen und Wollen beherrscht, erst der treibende Oedanke macht dieselbe Sache gut oder schlecht. Auch wir finden an der Chederluft zum Beispiel manches auszusetzen, und doch hat uns Krojankers Bemerkung darüber ehrlich empört: Wir verstehen es einfach nicht mehr, wie jemand eine traurige Episode seines Volkes -so objektiv und europäisch gegen seine Bundesbrüder ausspielen .kann, und finden den trübsten polnischen Juden sympathischer als diese Geste hochmütigen Abrückens. Wir haben auch keinen Sinn für eine Gerechtigkeit, die das Wort Assimilation nicht schreiben kann, ohne in Klammern hinzuzufügen, daß damit oft sMißbrauch getrieben wird. Wo die Liebe anfängt, hört die Gerechtigkeit auf; wir untersuchen nicht, ob die einzelnen K.C-er 'nebenbei gute Familienväter sind, wenn sie an einer entscheidenden Wende des Judentums versagt haben. Bei Bloch und Krojanker scheint das Umgekehrte zuzutreffen: Ihre Liebe gehört offenbar •den andern, neben denen sich das jüdische Volk gerade noch so halten kann. Es ist charakteristisch, daß sie an allem Nichtjüdischen immer das Verbindende und an Palästina immer nur das Trennende herausfinden und daß sie „jeden anderen Zeitpunkt für die Debatte gewünscht hätten", obwohl doch gerade dieser Krieg •dem wirklich jüdischen Menschen das Problem wieder in seiner ganzen Wucht nahebrachte — das Trennende im Westen und .das Verbindende im Osten. Unser Au<>e gehorcht eben einer anderen Optik. Wir setzen nicht mehr uns in Beziehung zur Umwelt, sondern die Umweit in Beziehung zum jüdischen Volk -und suchen ihm, so gut wir können, ihre Inhalte zu unterwerfen; -unser Anteil an der deutschen Kultur, den wir gewiß nicht .leugnen, dient uns dazu, für unser Judentum alles, was sie her-

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