Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 245 'Emil Ludwig, von Fischers Verlag bis zur Uilsteinpresse, das 'ist in Wahrheit ein Surrogat, eine recht deutliche und recht unglückliche Nüance, um so erschütternder, je mehr sie sich der echten Kunst nähert, aber ungleich häufiger zerstörend und ekelhaft in den Niederungen der Journalistik. Nicht umsonst wird dieser jüdische Einschlag von den Gebildeten Deutschlands peinlich empfunden, es ist ihnen über, sich von Juden sagen zu lassen, was sie von sich zu halten haben. Sie merken, deutlicher jedenfalls als Bloch, daß all diese halsbrecherischen Bemühungen, ob erlebt oder unerlebt, den Mangel an nationaler Farbe und Zugehörigkeit nicht verdecken können, und fürchten im Gegenteil davon eine arge Trübung ihres .Schrifttums. Gerade wer nicht „auf jede Art von Kunst als Tändelei der Entwurzelten" hinabsieht, sondern in der Kunst erst das wahre Leben und den höchsten Ausdruck eines Volkes verehrt, der wird nicht mehr den Mut finden, sich an diesem aussichtslosen Unternehmen zu beteiligen. Bloch verkennt die Frage, wenn er in seiner Mitarbeit einen Gewinn fürdiedeutsche Kulturund nur leider, trotz der leichten Nüance, noch nichts Förderndes für die jüdische Nation erblickt. Daß sie die jüdische Nation gewiß nicht fördert, davon wird noch zu reden sein. Aber •ebenso sicher stört sie das deutsche Geistesleben und ist von Haus aus dazu verdammt, sich an erborgtem Feuer zu wärmen. Was hilft mir der Unterschied zwischen Angehörigen des deutschen Kulturkreises und richtigen Deutschen, wenn doch •mein jüdisches Erlebnis mit der schmerzlichen Erkenntnis begann, daß ich trotz ehrlichster Bewunderung nie über die Schwelle ins Haus gelangen kann? Und was heißt da noch .„deutsche Geschichte durchleben," wo wir gerade durch den Weltkrieg zum ersten Mal seit der Zeit unserer Großväter wieder eine lebendige Vorstellung von östlichem Judentum bekommen haben? Wenn die deutsche Umwelt wirklich nur so zum Zugreifen daläge, dann hörte die Judenfrage allerdings auf, die ungeheure xFrage zu sein, die schwerste, die je ein Volk zu beantworten hatte. Diese tiefe Verkennung,- diese Leugnung jedes Kompromisses, diese Leichtigkeit, mit der Bloch seine deutsche Leistung auf jüdischem Grunde verankert, trennt ihn allerdings von dem, was wir uns unter Zionismus vorstellen. Es ist ja wahr, daß wir dem deutschen Minus nur ein ganz geringes jüdisches Plus entgegenzustellen haben, und kein ernsthafter Mensch wird in dem Inhalt unsrer Fuxenstunden schon das Wetterleuchten einer neuen Kultur sehen. Wir Westjuden sind wirklich in der verzweifelten Lage, eine Kultur zu haben, die uns nicht gehört, und einer Kultur zuzugehören, die wir noch nicht haben. Und es liegt auch durchaus nicht so einfach wie Bloch meint, *daß aus der jüdischen Möglichkeit schon mit Gottes Hilfe,