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Der jüdische Student · 1916-08-18 · 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Jüdische Student 241 In diesen Brodel kamen aus Deutschland harmlose jüdische Soldaten«, brave jüdische Schlachtenbummler. Was sie bisher vom Judentum wußten, waren sie selbst In Polen sahen sie zum ersten Male in ihrem Leben Juden, richtige Juden mit Kaftan und Peies, eine Masse, ein Volk, all das, was nicht mehr zu sein ihr ganzer Stolz war. Diese Juden verstanden deutsch, ihre jüdische Sprache wurde von den Deutschen verstanden; sie brachten den Soldaten, was sie brauchten, denn sie wußten, was die Soldaten wollten« Sie handelten mit den Soldaten, sie schacherten natürlich und feilschten und übervorteilten, wenn es gerade so kam. Mit den Polen kam so leicht ein deutscher Soldat nicht ins Geschäft, schon der Unkenntnis der Sprache halber nicht und auch weil der Kleinhandel in Polen das jüdische Gewerbe ist, und weil darin eben eins der Geheimnisse der Existenz des jüdischen Volkes. liegt das es immer verstanden hat, sich in die veränderten Verhältnisse zu finden. Ob der Pole im Handel so ehrlich ist, wie es in Westeuropa Norm ist, wer von den deutschen Soldaten vermochte das festzustellen? Sie sahen nur den Juden (die Polen halten sich ja fast ostentativ fern), sie handelten nur mit den Juden, sie fühlten sich übers Ohr gehauen nur von Juden. Aber nur übers Ohr gehauen? Frage doch einer die deutschen Soldaten in den Provinzstädten und -Städtchen, was sie von Juden halten. „Ein armes Volk, aber ein fleißiges, rühriges Volk. Nicht immer zuverlässig in Maß und Gewicht, aber ohne den jüdischen Händler wären wir längst verkommen Er nimmt hohe Preise, aber er besorgt auch Ware." Hundertmal habe ich es gehört und es ist ja auch bekannt, daß das Verhältnis zwischen dem gemeinen deutschen Mann und den Juden fast ohne Ausnahme ausgezeichnet ist. Nur die jüdischen Soldaten empfinden es anders. Sie fühlen sich verantwortlich für jede Kopeke, um die der jüdische Händler die Ware verteuert Das Elend hat man anwachsen lassen, ohne sich danach auch nur umzusehen, die Proletarisierung des Großteils des jüdischen Volkes in Polen seit der Mitte des vorigtn Jahrhunderts hat man beobachtet, ohne darüber nachzudenken, der begriff der jüdischen Gemeinbürgerschaft galt und gilt als verpönt, — aber jetzt, wo die Folgen davon in unsern Gesichtskreis treten, in den Gesichtskreis der anderen treten, der Deutschen, jetzt fühlt man sich mit betroffen. Und alles, worüber der deutsche Soldat achselzuckend und mit einem gewissen gutmütigen Verständnis hinweggeht, wird im deutschen Juden zur fressenden Wunde, zur bohrenden Angst, man könnte ihn identifizieren. Es ist nicht wahr, daß der Jude in Polen im Handel nichts sehe, als eine Möglichkeit der Gaunerei. Es ist eine niederträchtige, es ist eine dumme Verleumdung. Wer denn war all die Jahre hindurch der Vermittler deutschen Exports nach Rußland? Jüdische Kaufleute in Warschau und Lodz. Jüdische Agenten waren in Russisch-Polen die Vertreter der großen deutschen Häuser, und sie machten nicht nur gute Geschälte, auch ihre Rechnungen haben immer gestimmt. Man sollte ein wenig vorsichtig sein mit der aligemeinen Behauptung von Lug und Trug der Juden, denn es ist nicht zum wenigsten der deutsche Handelsverkehr nach Rußland, der auf den Trägern dieser angeblich betrügerischen Handelsgebräuche aufgebaut war. Wer wollte leugnen, daß viel Unlauteres unter den Juden vorkommt? Aber nicht auch unter den Nichtjuden? Dürfen wir übernaupt einen Maßstab von Treu und Glauben an ein Land legen, das so verwaltet wurde wie Polen? Und schließlich hat ja auch der Krieg in Deutschland bekanntlich nicht eben zur Förderung der geschättlichen Moral beigetragen. Dabei ist es immerhin noch etwas leichter, in Deutschland sein Gewerbe im Einklang mit den Gesetzen zu betreiben, als in Polen, und ganz besonders als in Polen im Kriege. Davon aber abgesehen, sollten wir uns wirklich endlich von dem dummen Wahn befreien, die Qualität eines Volkes an unserm deutschen Maßstab zu messen. Auch in Deutschland wird heute manches schwer bestraft, daß noch vor dreißig Jahren als erlaubt galt, und dazu gibt es in Polen weder Schulzwang noch so etwas wie einen Staats begriff. Wenn es sich nicht um Polen handelte und um Juden, wäre es Venedig

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