Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 10. Kriegsheft 10 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 239 Und nun die berühmte Unmoralilät, die selbst Bundesbrüder erlebt haben wollen. Vor allen Dingen muß man sich hier vor Schematisierung hüten: in jeder Gegend ist die soziale Lage eine andere. Ich bin in vielen jüdischen Städten jeder Art längere Zeit gewesen und habe nicht einmal ein Beispiel erlebt, wie es viele gleich beim Eintritt in jede Stadt erlebt haben wollen (wenn man näher darauf eingeht, stellt es sich meist heraus, daß man gehört hat etc. . . .). Wohl habe ich in assimilierten Gegenden bei Warschau Beispiele gesehen, wie Rosenblüth in Galizien und wie sie jeder deutsche Jude in Berlin W findet, wohl gibt es in Fabrikstädten jüdische Dirnen. Der größte Teil der Mädchen, die übrigens oft nationaler : in unserem Sinne sind als die jungen Leute, kommt den Soldaten gar nicht zu Gesicht und ist, was Schönheit und Reinheit betrifft, sicherlich nur geeignet, uns mit Stolz zu erfüllen. Was hat, um auch das noch kurz zu erwähnen, es mit unserer Auffassung vom jüdischen Volke zu tun, daß es hier und dort auch jüdische Kuppler gibt? Nein, wir ersehen aus der Tatsache, daß es nötig ist, gegenüber Zionisten überhaupt Apologetik zu treiben nur, w i e assimiliert wir sind. Was wir oft genug nicht gesehen haben, das ist die unendliche Ueberlegenheit, die herrliche Schönheit des jüdischen Lebens. Sicherlich sind wir in einem weiter als viele Juden dort: in der Erkenntnis, daß wir unser ganzes Selbst in unserem Nationalismus hingeben müssen, um eine Erlösung zu finden. Aber damit ist es nicht getan. Wir müssen diese Erkenntnis, die Gemeingut aller Völker ist, ganz mit jüdischem Geiste durchtränken, müssen in ganz anderem Maße als vor dem Kriege uns aus assimilierten Anschauungen herausreißen und jüdischeDinge mit jüdischen Augen sehen lernen! Dann werden wir auch hier schon — obwohl wir nie vergessen dürfen, daß die endgültige Lösung nur in Palästina zu finden ist — einheitlicher und glücklicher als bisher werden. Ueber die praktischen Wege zu diesem Ziel — Studium in Polen, soziale Arbeit und Ansiedlung im Osten im Sinne des Settlementsartikels im „Juden", für die jüngeren Bundesbrüder Wanderungen nach den jüdischen Ländern (statt wie bisher nach dem Westen und Süden Deutschlands) — darüber wird auf dem ersten Kartelltag zu reden sein. Wir müssen