Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 225 die Vorbereitungen zu einer kleinen Besprechung für den nächsten Tag, zu der wir alle Mitglieder der Z.V. f.D. einluden, und unterhielten uns im Anschluß an den Artikel von Berthold Cohn und Preuß über die einschlägigem Probleme.* Beim Mittagessen, das die üblichen Begrüßungsreden und Toaste brachte,. hielt auch ein Baranowitschier Jude eine Rede, in der er seine besondere Freude über die Veranstaltung und seine jüdischen Empfindungen offen zum Ausdruck brachte. Er lehnte sich an die Worte an, die Jakob in seiner Todesstunde zu Joseph sprach: Lege doch Deine Hand unter meine Hüfte. Joseph hatte bis dahin nur für Aegypten gearbeitet, nur für Aegypten gesorgt und gestrebt, er sollte nun endlich einmal seine Kraft in den Dienst seines Volkes stellen. Unser Freund sprach mit Begeisterung, und deutlich war sein Sctimerz darüber, daß auch heute Israel wieder diese .Josephsrolle im fremden Lande spielt. Gegen Abend kamen noch S i e d n e r, der gerade zu einem neuen Truppenteil in die Nähe von Bar. versetzt worden war, und Lyon, der uns aber am nächsten Morgen schon wieder verlassen mußte. Die Begrüßung der Zionisten durch uns am nächsten Tage verlief programmäßig. Während in dem einen Saale Kabaret-Vorführungen stattfanden und die schönen Lieder Gloria victoria und Lippe- Detmold erklangen, scharten sich in dem andern Räume die Zionisten um uns. Es waren, als wir abzählten, über 60 Mann. Soweit Turner aus zionistischen Verbänden anwesend waren, meldeten sie sich ebenfalls. Nachdem W e r m u t h einige einleitende Worte gesagt hatte, sprach A. H. Rosenfeld. Er wies darauf hin, daß die zionistische Stimmung so mancher Gesinnungsgenossen im Kriege zeitweilig erschüttert worden sei. Dieser Vorgang sei unter den obwaltenden Umständen ganz, erklärlich; nur müsse man den Weg wieder zurückfinden und dann um so energischer an der Verwirklichung der alten Ideale arbeiten. Die Tatsache, daß in der Heimat die Arbeit nicht unterbrochen sei, gebe uns Rückhalt und neuen Mut. Nachdem wir die Bitten vieler Gesinnungsgenossen um zionistische Lektüre und andere Anliegen an die zionistische Organisation entgegengenommen hatten — für die Uebermittelung dieser Wünsche ist bereits gesorgt worden —, sangen wir od lo abdah thikwathenu, und trennten uns, um noch einmal mit den Zionisten von Baranowitschi in ihrer zionistischen Synagoge zusammenzutreffen. Allmählich kam alles in die Stimmung des Aufbruchs. Der Dienst forderte wieder die Person und der entzauberte Jude nahm seine Alltagsgestalt an und verschwand im Soldatenrock, Nur wenige Bundesbrüder blieben bis zum Abend, wo Dr. Levy noch einige Abschiedsworte an seine Feldgemeinde richtete. Es war allen schwer ums Herz. Ihm aber fiel der Abschied