Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537613-3537615--3629-3541363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
220 Der, Jüdische Student viel zu sehr auf Keilfüxe berechnet worden, die entweder erst beim Keilen unseren Ideen näher oder sich doch jedenfalls vorher nur wenig mit dem Zionismus beschäftigt haben. Die in vielen V.J. St.-en gehandhabte Teilung der Kurse in solche für erste Semester, zweite Semester und Burschen ist viel zu schematisch. Unsere bisherigen Fuxenunterrichtssysteme sind für Bundesbrüder, die bereits vor dem Eintritt ins Studentenleben eine gewisse Reife in jüdischen Dingen erlangthaben, gar nicht zu gebrauchen. Unerwähnt gelassen habe ich bisher noch eine Reihe neuzeitlicher Strömungen in der deutschen und jüdischen Jugend, auf die einzugehen hier zu weit führen würde, mit denen wir uns aber zweifellos bald gründlich auseinandersetzen müssen, ebenso wie dies der Blau-Weiß tun muß. Denn diese Probleme machen den Gymnasiasten viel Kopfzerbrechen, sie werden sich mit uns darüber auszusprechen wünschen, und wir müssen uns deshalb beizeiten selbst ein Urteil bilden. Eine sehr ernsthafte Frage sollte für uns auch die sein, wie weit im Rahmen unserer studentischen Verbindungen die Zusammenarbeit mit jüdischen Studentinnen möglich ist. Ich beabsichtige nicht, im Rahmen dieser schon so langen Ausführungen auf all diese Probleme näher einzugehen, oder auch bereits die Antwort auf die aufgeworfenen Fragen zu erteilen. Es handelt sich mir zunächst nur darum, sie einmal anzuschneiden und meiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß wir uns den Tatsachen, die sich um uns herum ereignen und die zu einem entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung unseres Kartells führen können, nicht verschließen dürfen. Die Erörterung darf nicht hinausgeschoben werden. Es ist eine Generation hinter uns im Entstehen begriffen, die sich demnächst mit der Frage des Eintritts in die Verbindung zu beschäftigen hat und die ihre Entscheidung von der Frage abhängig machen wird: „kann die V. J. St. und können überhaupt Studentenverbindungen uns etwas geben, und ist das Opfer an Zeit und Arbeitskraft, das wir einer Verbindung darbringen müssen, dem Wert gleich, den sie für unsere Entwicklung und unsere jüdischen Ziele haben wird?" Es ist kein Zweifel, daß die Antwort bejahend ausfallen ,muß; doch dafür, daß sie es kann, dafür müssen wir rechtzeitig Vorsorgen.