Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 219 sehen Jungen das Studentenleben mit anderen Augen ansieht wie früher. Die Bedeutung des Blau-Weiß für das K. J. V. können wir nicht hoch genug einschätzen. Angesichts der von den Assimilanten immer intensiver betriebenen frühzeitigem „Aufklärung" unter den Schülern ist es nicht zuviel gesagt, wenn ich behaupte, daß alle unsere Zukunftsaussichten in Deutschland mit dem Blau-Weiß stehen und fallen, daß alles davon abhängen wird, in welchem Maße es uns gelingt, dem Blau-Weiß-Oedanken Eingang in die jüdische Schuljugend zu verschaffen. Darum muß es zukünftig eine wesentliche Aufgabe für unsere Verbindungen sein, Führer für den Blau-Weiß zu erziehen, Führer im engeren und weiteren Sinne des Wortes. Hiermit ist aber notwendig eine Neuorientierung unserer gesamten inneren Verbindungsarbeit verbunden. Unsere bisherigen Erziehungsmethoden waren recht wenig geeignet, Leute heranzuziehen, die Freude an der Natur und am Wandern, Fähigkeit zum Führen, Liebe zu den Jungen und Verständnis für die erzieherischen Aufgaben haben, die an sie herantreten. Es ist ja manches bei uns besser geworden seit dem Aufruf voni Felix Rosenblüth, seit der Einführung des „offiziellen Wanderns",. aber die Entwicklung steckt noch in den Anfängen. Der Kaffeehausgeist überwiegt noch. Die andere Seite dieser Frage besteht darin, daß die Blau- Weißen, die als solche groß geworden sind, mit ganz anderen Ansprüchen, und Anschauungen in die Verbindung hereintreten, als wir es bisher von unseren Keilfüxen gewohnt waren. Blau-Weiße, die hebräisch sprechen, die den Oedanken der Uebersiedlung nach Palästina in sich tragen und oft schon mit Rücksicht darauf ihren Beruf wählen, denen auf Heimabenden- und in Kursen bereits ein guter Teil neujüdischer Kunst, Literatur und Wissenschaft zugänglich gemacht worden ist, werden unsere Fuxenstunden, Burschenkurse, Vortragsabende als wenig anregend, das geistige Niveau unserer Verbindungen als ungenügend empfinden; viele von ihnen werden dem Kneip- und Fechtwesen nicht mehr den rechten Geschmack abgewinnen. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Kritik bis zu einem gewissen Grade jedenfalls in manchen V. J. St.-en berechtigt ist. Tatsächlich ist der ganze Zuschnitt unserer Erziehungsmethoden» stets nicht nur zu wenig individuell gewesen, sondern auch