Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1916-06-20 · 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
Date
1916-06-20
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537613-3537615--3627-3541361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

218 Der Jüdische Student vielen Studiensemestern erlitten. . Jeder wird bemüht sein, den, Verlust, durch erhöhte berufliche Arbeit auszugleichen. . Die Bummeljahre haben aufgehört, für manche werden sie gar nicht erst anfangen. Jeder wird vollauf damit zu tun haben, seine eigene Existenz aufzubauen und so bald als möglich sein Examen zu machen. Es ist klar, daß die Korporationen bald weit mehr Inaktive haben werden als Aktive. Abgesehen hiervon wird aber auch das Erlebnis des Krieges den Menschen reifer und ernster stimmen. Den jugendlichen Leichtsinn und die sorglose; Ungebundenheit der Studentenjahre verliert manches im Schützengraben, und auch die in der Heimat Zurückgebliebenen haben über manches anders zu denken gelernt. Ich glaube, daß die deutsche Studentenschaft ihre Anschauungen über Satisfaktion,. Couleur, Kneipwesen einer gewissen Revision unterziehen wird. Das muß natürlich auch unsere Stellung dazu, die in vielem durch die der anderen bedingt war, beeinflussen. Wichtiger ist aber die Revolution von unten, die kommen wird. Die deutsche Jugendbewegung, die schon vor dem Kriege beachtenswerten Umfang angenommen hatte und in Jugendwehren, Pfadfinderbünden, Wandervögeln u. dergl. ihren organisatorischen Ausdruck fand, gewinnt schon jetzt im Kriege erheblich an Ausdehnung und Tiefe. Es ist nicht anzunehmen, daß die gesunden Triebfedern dieser Bewegung nach dem Kriege nachlassen werden, zumal, da ja die Beteiligung an derartigen Organisationen von der Regierung bis zu einem gewissen Grade obligatorisch gemacht werden soll. All das wird zur Folge haben, daß die deutsche Jugend in absehbarer Zeit die Universität mit ganz anderen Idealen beziehen wird, als noch unlängst der Fall war. Turnen, Sport, Wandern und alle Bestrebungen, die auf eine gesunde Körperkultur hinzielen, werden an Bedeutung gewinnen. Vielleicht hat das auch eine Gesundung der Ansichten und des Verhaltens in geschlechtlichen Dingen zur Folge. Jedenfalls werden nur die Verbindungen gedeihen, denen es rechtzeitig gelingt, den neuen Geist zu erfassen und ihn sich, zu eigen zu machen. Was aber für die deutsche Jugend gilt, das gilt in,gleichem Maße für unsere jüdische Jugend. Die Blau-Weiß-Bewegung hat in so erfreulichem Maße unter der jüdischen Schuljugend Wurzel gefaßt, daß schon heute ein großer Bruchteil von jüdi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.