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Der jüdische Student · 1916-06-20 · 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
Date
1916-06-20
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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206 Der Jüdische5Student iöhe :icb mir zwar den Mann, der mehr will als er, kannaber ich sehe vorwiegend Komik in dem, der anderes will als er kann. -Und doch liegt gerade hier für viele das A undO ihres Strebens: sie wünschen nicht, über sich selbst hinaus —, sondern in eine andere Haut hineinzuwachsen.* < Wenn man hierzu noch die gesunde Sehnsucht nimmt, die uns aus dem Rationalismus, Intellektualismus und Aesthetentum der eigenen Kreise hinausstreben läßt; wenn man der Motive gedenkt, die den frühen Wandervogel gebildet haben und noch heute unserm Blau-Weiß mächtige Agitatoren sind — kann man das Unbegreifliche begreifen: nämlich daß hier in einer Großstadt aufgewachsene Akademiker Bauern zu werden begehren,, d. i. Menschen, die Zeit ihres Lebens mit ihrer Hände Arbeit ihr Stückchen Feld bestellen. Diese Menschen wollen nicht mehr als sie können, sondern anderes. Diese Menschen sind nicht primitiv, sondern Theoretiker der Primitivität. Und mit einer Theorie kann man zwar Forderungen begründen, aber kein Bauerngut; kann man zwar Thesen aufwerfen, aber nicht den Acker. Wenn Ihr wollt, haben wir nun den neuen jüdischen Typ. Sogar einen funkelnagelneuen: denn die älteren Zionisten und nach ihnen alle, die ihres Geistes waren, glaubten noch, daß der Weg zum ganzen Juden nur über den zum ganzen Menschen führe; daß man aber als solcher noch lange nicht durch die bloße (wenn auch noch so völlige) Uebernahme eines fertigen Ethos zu betrachten sei. Da eine jüdische Kultur heute nicht existiert; da wir nur das eine Greifbare haben, das im jüdischen Blut liegt und Möglichkeiten verheißt—meinten sie, Gedanken und Werte der sie umgebenden Kultur so restlos in sich verarbeiten zu sollen, wie ihre Fähigkeit es ihnen nur irgend gestattete. Im Glauben, daß wer durch Bemühung und Ringen mit aller geistigen Arbeit um sich am meisten für seine menschliche Ausbildung, auch am meisten für sich als Juden getan habe, sofern er nur dabei, seiner Eigenart bewußt, sich in den Dienst der Sache unseres Volkes zu stellen entschlossen wäre. Zu diesem Dienst gehörte auch die Uebersiedlung nach Palästina als eine unter vielen Arbeitsmöglichkeiten, nicht als ausschließliche Forderung. Der Unterschied liegt auf der Hand. Neben einem, dem Brust und Auge geweitet ist für alles Menschliche, steht der Parteimann mit den Scheuklappen: Palästina. Unsere "neuste Jugend" begeht den Fehler, durch den Peer Gynt beinah zum Troll geworden wäre: sie ist nicht sich selbst treu, sondern sich selbst genug. Es sind Leute, die in der Prima etwa ihre Entwicklung abschließen, um abzulehnen, was sie nie kennen gelernt; um als überwunden zu fingieren, womit sie sich nie gemüht haben. Ihre frühe Einstellung auf Palästina ist im wesentlichen

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