Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student :203 ^Schaffung eines solchen Bauernstandes in Palästina. Demgegenüber bin ich der Ansicht, daß aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen neben dem Bauernstand ein mittlerer Grundbesitz vorhanden sein muß., Aus wirtschaftlichen Gründen: weil nun der mittlere Grundbesitz, der mehr Land hat als gerade .zur Ernährung der eigenen Familie erforderlich ist, die Mög- 'lichkeit hat, Meliorationen vorzunehmen, neue technische Hilfsmittel zu erproben. Aus kulturellen Gründen: weil der kleine Bauer im allgemeinen nicht der Schöpfer und Träger einer Volkskultur zu sein vermag. Ich bin aber ferner der Ueberzeugung, daß unsere jungen Bundesbrüder Bauern im eigentlichen Sinne gar nicht werden können. Sie werden auf die Dauer in der rein körperlichen .Arbeit — und sei es auch die Bearbeitung des jüdischen Bodens — keine Befriedigung finden. Ganz anders steht es mit dem Berufe eines Landwirts, dessen Tätigkeit eine geistig ordnende, verwaltende ist. Wem ein ausreichendes Kapital zur Verfügung oder in Aussicht steht, der gehe nach Palästina, erlerne erst theoretisch und praktisch die Landwirtschaft und siedle sich dann an. Er wird einen erheblichen Machtzuwachs für die zionistische Organisation und ein wertvolles Kulturelement in unserm Lande darstellen. Neue Bilu aus unsern Reihen kann ich — so sehr mir solch Idealismus zu Herzen gehen würde — nicht mit ungemischter Freude begrüßen: wir haben nicht solchen Ueberfluß an Menschenmaterial, um damit unüberlegt experimentieren zu können. Ich weiß nicht, ob der Aufruf eine schlechthinnige Uebersiedlung ohne Bedachtnahme auf Kapital, persönliche Anlagen usw. fordert. Vielmehr scheint mir der letzte Satz des Aufrufs anzudeuten, daß auch seine Verfasser gegen die praktischen Schwierigkeiten die Augen nicht schließen wollen. Und hier dürfte ein Punkt gefunden sein, -von dem aus wir zu einer Einigung kommen können. Die praktische Möglichkeit für junge Akademiker, nach Palästina zu gehen, muß fort und fort in unseren Reihen diskutiert werden. Wir müssen vorhandene Möglichkeiten finden und neue schaffen. Mir kam es dem Aufruf gegenüber zunächst auf die Hervorhebung zweier prinzipiellen Gesichtspunkte an: auf die Rechtfertigung unserer Golusarbeit und auf die Warnung vor unüberlegtem Hinübergehen. Um die Diskussion zu vereinfachen, will ich mich hierauf beschränken, so, sehr es mich reizt, auch zu den einzelnen Thesen des Aufrufs Stellung zu nehmen. Salli Hirsch Vi . : . Sehr fraglich, ob eine ungeeignetere Zeit zur Erörterung eines so schwerwiegenden und heiklen Problems leicht hätte ..gefunden werden können. Immerhin : die Redeschlacht ist ent-