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Der jüdische Student · 1916-06-20 · 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
Date
1916-06-20
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Jüdische Student 201 unserm Ziele weit entfernt sind: das jüdische Volk ist zersplittert, nicht nur dem Räume nach; die Massen leben unter unerträglichen materiellen Bedingungen, ökonomische und geistige Entwicklungsfreiheit sind ihnen versagt; die Schichten, die ihrer politischen, sozialen und ökonomischen Stellung nach die Führer des Volkes in dem schwersten aller Freiheitskämpfe stellen könnten — insbesondere auch die Westjuden — sind ihrem Volke entfremdet und gehen der völligen Assimilation entgegen. Das jüdische Land ist seit Jahrhunderten verwahrlost und zudem in fremdem Besitz. Die Aufgabe, die dem Zionisten gestellt ist, scheint über menschliche Kraft zu gehen. Aber der Zionismus wäre keine ernst zu nehmende Bewegung, wenn er nicht in dem Zionisten den Entschluß auslöste, sofort in der eigenen Person mit der Verwirklichung des Zionismus zu beginnen. Und nun sagen uns Bertold Cohn und Walter Preuß: dieser Beginn kann nur in der Uebersiedlung nach Palästina bestehen. So wenigstens verstehe ich sie; denn darüber werden sie sich wohl klar sein, daß mit ihrer Uebersiedlung — und gingen sie noch so zahlreich hin — der Zionismus nicht verwirklicht ist. Sie leben — um es ganz paradox auszudrücken — auch in Palästina zunächst noch im Golus. Sie haben zwar ihr Land wiedergefunden, aber das jüdische Volk finden sie dort nicht. Denn darüber müssen wir uns völlig klar sein, daß das jüdische Volk zur Zeit nicht in Palästina ist, ferner darüber, daß wir Westjuden nicht das jüdische Volk in Palästina bilden werden, sondern daß das jüdische Volk von den ostjüdischen Massen repräsentiert wird und alles andere nur Splitter sind. Uns Westjuden fehlt daher nicht nur der Zusammenhang mit dem jüdischen Land, sondern auch der mit dem jüdischen Volke. Die Einseitigkeit von Berthold Cohn und Walter Preuß besteht darin, daß sie nur die Wiedererlangung des jüdischen Landes gelten lassen. Diese Anschauung entspringt der gleichen physiokratischen Gedankenrichtung, wie die Behauptung von Fritz Loewenstein in dem Rundschreiben des Präsidiums, daß der Beruf des Bauern „der einzige wirklich produktive sei". Demgegenüber wage ich es zu behaupten, daß mir ebenso wichtig und ebenso wert wie das jüdische Land das jüdische Volk ist,, daß mir ebenso wesentlich wie die Bearbeitung des jüdischen Bodens die Arbeit an unsern Menschen erscheint, und ich für mein Teil habe mir diese letztere Tätigkeit erwählt. Ich glaube,, daß ich mit der Verwirklichung des Zionismus für meine eigene Person beginnen darf, wenn ich mich mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen zu meinem Volke zurückzufinden suche, wenn ich all mein Sehnen, all mein Denken ihm zuwende, wenn ich all meine freie Zeit ihm widme. Das verleiht unserer Tätigkeit im K.J.V. oder im Blau-Weiß den Sinn, daß wir hier für das jüdische Volk und an dem jüdi-

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