Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 9. Kriegsheft 9 (20.6.1916)
- Date
- 1916-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Der Jüdische Student gen, so daß wir es nicht nötig haben, uns hier zu verwurzeln, und drüben geistig schon Bürger sind, ohne schon drüben zu sein: 3. Denjenigen, die im Bertold Cohn- und Preußschen Sinne hinübergehen wollen, wird die Achusah des K. J. V. eine Möglichkeit bieten, aus dem Beruf des Landarbeiters aufzusteigen zu einer gewissen Selbständigkeit. Denn wem sollten diejenigen unter uns, die hier bleiben, ihre Ländereien wohl lieber in Verwaltung geben als Bundesbrüdern, die in heiliger Begeisterung nach Palästina gegangen sind und dort als Landwirte leben? Darüber, wie wir nach Palästina kommen, bin ich mir noch nicht klar. Nur eins sehe ich. Es wird und muß ein Weg gefunden werden. Und ein Anfang ist der Aufruf. Oeorg Wollstein V ■ Dem soeben eingehenden Rundschreiben des Präsidiums entnehme ich den Beschluß, über die sachlichen Gedanken des Aufrufs eine Diskussion im J. St. zu eröffnen, aber auch anschließend die Mitteilung, daß diese Debatte — ich weiß nicht, aus welchen Gründen — wieder zweifelhaft geworden sei. Ich halte mich nunmehr für verpflichtet, mich ausführlich zur Sache zu äußern, nicht weil ich glaube, daß ich irgend etwas zu sagen habe, was nicht in den Berliner Debatten schon bemerkt worden ist, sondern weil ich verhindern will, daß eine Diskussion im J. St. unterbleibt. Der Aufruf muß eine Erwiderung erhalten wegen seiner ablehnenden Stellungnahme zu unserer Golusarbeit. Ich halte es zwar nicht für notwendig, gegen irgend eine Ansicht oder die Form ihrer Aeußerung zu protestieren, bin mir auch bewußt, daß jeder Widerspruch gegen ihn von lauen Zionisten in ihrem Sinne ausgenutzt werden kann, meine aber trotzdem, daß eine sachliche Auseinandersetzung mit den Verfassern des Aufrufs unumgänglich notwendig ist. Wir, denen die Arbeit im K. J. V. oder im Blau-Weiß oder in der Turnerschaft ein wesentlicher Teil unseres Lebenszwecks und Lebensglücks geworden ist, haben das Bedürfnis, darzulegen,' daß diese unsere Betätigung nicht minderwertig, daß sie nicht eine Geschäftigkeit ist, die uns unsere Haltlosigkeit und Schwächlichkeit vergessen machen soll, sondern daß sie zionistische, nationale Arbeit ist. Es kommt mir hier vor allem auf die richtige Problemstellung an: in Frage steht hier nicht, wer für die zionistische Organisation vom Standpunkte der zionistischen Politik wertvoller ist, der im Golus Arbeitende oder der Hinübergehende, sondern es handelt sich zunächst nur darum, ob der im Golus sich betätigende Zionist ein unehrlicher, haltloser Schwächling ist, wenn er zu der Erkenntnis gekommen ist, daß er nie nach Palästina wird gehen können. ' Zionist sein heißt, dem jüdischen Volke ein normales Leben in Palästina möglich machen wollen. Wir wissen, daß wir von