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Der jüdische Student · 1915-07-09 · Heft 2 (9.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 2 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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Der Jüdische Student 53 Mein Leibbursch! Von Felixjacobsohn Erich Rosenkranz ist tot. Sein Wirken und seine Verdienste um Judentum, V. J. St., B. J- C und K. J. V. sollen und können Andere, Berufenere, würdigen. Ich, sein Leibfux, will nur davon sprechen, was er mir war, was mir sein Tod bedeutet. Ich gedenke der vierzehn Jahre, seit ich nach Berlin kam und ihn kennen lernte. In allem Schmerze über seinen furchtbaren Tod, wird da meine herrlich schöne, lebensfrohe, sorgenlose Studentenzeit wach, stehen auf jene ungezählten, unvergeßlichen Stunden in seinem Elternhause in der Großen Frankfurterstraße, auf seinen Buden'in der Luisen- und Linienstraße und die prächtigen Sommertage unserer gemeinschaftlichen Rügenreise. Verschiedener Wirkungskreis, verschiedene Interessen des praktischen Lebens brachten uns in den letzten Jahren äußerlich auseinander. Mein inneres Verhältnis zu ihm blieb davon unberührt, und nimmer werde ich vergessen, daß ich ihm zum großen Teil die hinreißende Heiterkeit und den überschäumenden Frohsinn meines ersten Semester verdanke. Schade, daß ich kein Rabbiner bin, ich wüßte sonst die schönen Worte, die wohl von Jeremias stammen und in einem Roschhaschonohmaftir stehen: Rahel weint um ihre Kinder. Schade, daß mir jedes Pathos so verhaßt ist, ich zitierte sonst, was Wallenstein Max Piccolomini nächruft. Manch einen sah ich sterben in diesen Jahren, nahe % Verwandte und gute Freunde. Aber wann hat es mich so gepackt -wie jetzt? Herzl? Gewiß, ich empfand den furchtbaren Schlag in seinem ganzen Umfange, aber es war doch etwas ganz anderes. Vielleicht Perlitz! Doch nein, das verblaßte zu schnell! Nur einen kenne ich, der nicht zu uns gehörte, aber vielen alten Bundesbrüdern nur zu gut bekannt war: Max Grodzus. Nun werden diese auch verstehen, wie Erichs Tod auf mich gewirkt. Eine Kugel: Mulle Ascher, mein Leibfux Greifenhagen, und mancher andere, der mir nahestand, sind nicht mehr.

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