Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537715-3537717--3485-3541311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
52 Der Jüdische Student Dazu Dane prachtvolle Gemütsart, die Genügsamkeit an Dir selbst,, auch ohne Anerkennung, wieder beneidenswert! Wenn diese Eigenschaften im der Tasche zu tragen wären, und ich wüßte, in welcher Du sie hast^ Mannte ich Dich darum totschlagen! Als ich mich noch Künstler dünkte — vielleicht war das garnicht sa lamm — da hatte ich auch schöne Augenblicke: ich weiß das zu schätzen. Da s wird aber jetzt wohl futsch sein. Bleibt also als den Seelen- und Gemütsrest am meisten beschäftigende Sorge, ob ich's.wenigstens in meinem Bürgerlichen Beruf zu was bringen werde. Dabei sei zugegeben, daß mich die edle Chirurgie mindestens als prächtiger Sport recht befriedigt; ich glaube such, recht gut dafür talentiert zu sein. — — So! Jetzt habe ich wieder mal mein Herz eingehend ausgekleckert und dabei sogar Denkprozesse absolviert. Jetzt käme noch etwas Geschwätz und Rundschau: Ich war in Lissa, wo ich auf des kleinen Zwirn Betreiben hin bei einem Kommers jüdischer Abiturienten mitwirkte. Traurige Erfahrungen über Judentum in einer sogenannten „guten Khille1'. Noch nicht mal Standpunkt des Centraivereins! Schändlich! Mutnehmend! Dabei Krach mit einem Rechtsanwalt übelsten Kalibers {A. H. des A. J. G. V.). Duellforderung, Verweigerung etc. Vielleicht werden die Gerichte von dem edlen Vertreter noch in Bewegung gesetzt, und ich kann mich vom männermordendea Handwerk einen Monat in Glatz ausruhen Wenn Dich die Sache interessiert, kannst Du sie Dir von Isaak Zwirn genau erzählen lassen, der sie genau kennt Du siehst ihn doch in Berlin? Oktober komme ich wahrscheinlich — bitte aber, nicht darüber zu sprechen — nach Schöneberg ans neue Krankenhaus. Heute Abend spricht Heinrich Loewe hier, ich werde gleich dazu losziehen. Sonst wenig Neues! Viel Faullenzerei! Ich hoffe, den Sommer ausflugsweise gut auszunutzen, denn ich gedenke, mich arbeitsweise nicht zu überanstrengen. Wann ich Urlaub nehme, weiß ich nicht. Es hängt davon' ab, ob die II. Volontärsteile, die am 20. IV. frei wird, besetzt werden wird. Du könntest bei Deinem Geldüberfluß mich wirklich mal besuchen: Für heute herzliche Grüße Dein Erich Grüße die Deinen. Ich lasse allen, die im letzten Jahre Geburtstag hatten, nachträglich gratulieren.