Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der jüdische Student Stellung zu den Forderungen des B.J.C. zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wir vertrauten ihm alle, und darum konnte er seine Aufgabe im B. J. C. erfüllen. Weil er ausgleichen wollte, hat er von beiden Seiten Undank geerntet, aber er hat lächelnd den Vorwurf des „Kompromißlers" hingenommen. Wenn die Alten Herren zu manchen Neuerungen den Kopf schüttelten, sich aber schließlich der Entwicklung fügten, so durfte es Rosenkranz mit Stolz und Fug als das Werk, oder besser, als die Wirkung seiner Persönlichkeit betrachten, daß der B. J. C. immer wieder zu dem alten Bruderbund zusammenwuchs. Die Sache konnte ja im Grunde nicht schlecht sein, die er mit seiner Verantwortung deckte! Rosenkranz war kein Großer in Israel. Wir sind es dem Andenken des wahrheitsfreudigen Mannes schuldig, in diesen Blättern unseres Gewissens eines trauernden Freundes Wort zu verbessern, dessen Gefahr es ist, daß es die Farben und Linien eines treu zu bewahrenden Bildes verwischt Er war der liebenswerteste Bundesbruder, der wachsame, aufrechte Hüter des B. J. C Ein Brief von Erich Rosenkranz 1905-6 war Erich Rosenkranz Assistent am Jüdischen Krankenhaus zu Breslau. Von dort aus ist der folgende Brief an mich gerichtet worden, zu dessen Erklärung nichts hinzuzufügen ist. Emil Cohn Breslau, 4. 4. 06 Mein lieber Emil! Du schriebst mir das letzte Mal wie vorher auch schon manchmal auf einem brandroten Papier, das meine Augen schädigt: Unterlasse das! Mein Nervensystem darf nicht so angestrengt werden. Zudem könnte mein guter Ruf leiden, ein geringeres Uebel allerdings. Das heißt, ich mache Spaß — von wegen der Nerven nämlich: Neurastheniker bin ich, glaub* ich, noch immer weniger als Ihr alle zusammen genommen: reizbar, ja, aber nicht schwach, und die Definition der Nervosität als „reizbare Schwäche*' trifft wohl den Kern recht gut Warum komme ich, wenn ich Dir schreibe, immer auf meine werte Persönlichkeit heraus? Ganz einfach, weil ich nichts anderes weiß. Du