Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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w Der jüdische Student Ostern 1890 bezog Erich als stud. med. die Universität, ein häbes Jahr früher als ich. Dieses halbe Jahr war entscheidend für seinen Entschluß, Schauspieler zu werden. Das Statistspielen hfinte nun nicht mehr auf, er war mehrmals wöchentlich im SrJiauspielhaus, gleichzeitig war er der Finkenschaft beigetreten und machte die großen Spiele dieses Goethe-Gedenkjahres (130. Geburtstag Goethes) mit. Er spielte bei Kroll im Jahrrrarktsfest von Plundersweilern und half Albert Heine auf den Saiiild heben, der sich damals in einem Tage vom Frießharduiri Leutholdspieler des Schauspielhauses zum ersten Charakter- Apeler Berlins emporschwang. Den Anfang machte dabei sein Srfyros in Goethes genialem Scherzspiel, den Höhepunkt tiftäeten seine gewaltigen Leistungen als Oedipus und Kreon iüAntigone. Diesen Leistungen weihte Erich in der Hochschulsaiung der Finken zwei prachtvolle Kritiken, die für seinen fsnen literarischen Geschmack und sein starkes Nachempfinden &bt großen Dichter Zeugnis ablegen. Albert Heine selbst hat in meiner Gegenwart erklärt, daß keine Besprechung ihm so gerecht geworden sei wie diese, und keine ihn stolzer gemacht habe. Erichs Eltern, vor allem der Vater, sahen mit großen Sorgen äfeser Entwicklung des Sohnes zu, waren ihm gegenüber aber m schwach, um jetzt noch Einhalt zu tun. Erich spielte vor Jfex Pohl und Max Grube auf der Bühne des Schauspielhauses, nid beide sprachen ihm Talent zu. Auch Albert Heine tat es. Sa fing er an, bei Oberländer Stunden zu nehmen. Nicht lange Ärauf sprang er mitten in den neuen Beruf hinein und bereiste nii einer Truppe zweitklassiger Schauspieler des Kgl. Schauspielteuses die märkischen Städte. Dabei spielte er unter anderem h) Oranienburg den Franz Moor. Es sah aus, als wäre er uniiaätbar an die Buhne verloren gegangen. Dies alles sah ich stillschweigend, aber mit großen Sorgen ar. Ich habe niemals viel von Erichs schauspielerischen Fähigleiten gehalten. Ihm fehlte in meinen Augen das Faszinierende. San Organ war hart und spröde, sein Spiel sehr klug, aber licht elementar genug. Es war alles stark intellektuell, wie ifenn sein literarisches Urteil unfehlbar war. Sein Komödiespiel tobe ich oft scharf kritisiert, es aber niemals über mich gewinnen können, den Glücklichen aus seinen Träumen zu reißen, fr war damals wirklich glücklich.