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Der jüdische Student · 1915-07-09 · Heft 2 (9.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 2 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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41 er unter der Anleitung des Vaters die schwierigsten Dreieckskonstruktionen, eine Begabung, die mehrere Jahre lang in ihm den Wunsch rege hielt, Mathematik zu studieren. Er war der Liebling seiner Lehrer und durfte sich manches erlauben, was uns anderen übel bekommen wäre. Außerhalb der Schule streiften wir täglich im Tiergarten herum, vor allem konnte man uns jederzeit auf der damals noch unbebauten Insel hinter der Schleuse des Landwehrkanals finden, wo wir an der Böschung Messerstich und Sechsundsechzig spielten. Als ich bei der Versetzung nach Obertertia zurückblieb, änderte das an unserer Freundschaft nichts. Wir glichen uns übrigens damals wie ein Ei dem andern, wurden für Brüder gehalten und oft verwechselt. So bekam ich einst eine Stunde Arrest, weil er auf dem Schulhofe sein Butterbrotpapier in die Löcher des dort stehenden Recks gesteckt hatte. Ihm hingegen — ich litt in dem heißen Sommer 1893 an häufigen Schwindelanfällen — wurde bei jeder Gelegenheit fürsorglich ein Stuhl hingerückt, wenn die ganze Schule stehen mußte, und ich sehe noch, mit welch pfiffigem Gesicht sich der Pseudo-Cohn jedesmal setzte. Das Jahr 1894 brachte uns beiden — ich war auf den Tag zwei Monate älter als er — das große literarische Ereignis im Leben des jüdischen Jünglings, die Barmizwoh. Ich werde Erichs Barmizwoh, bei der es im Hause Rosenkranz, damals schon Bülowstraße 21, hoch herging, nicht vergessen, vor allem eines Erlebnisses wegen nicht. Sein Lehrer war ein armer Rabbiner aus dem Norden Berlins gewesen. Erich hatte eifrig bei ihm gelernt und empfand für den alten gedrückten Mann viel Mitleid. An der Festtafel hielt nun der Rabbi mit geschlossenen Augen und singendem Tone einen Drusch, dessen Höhepunkt in dem Satz3 gipfelte: „Das sagt ja schon sein - jüdischer Name Mauscheh!" Bald darauf erhob sich ein Freund des Hauses und hielt eine Rede, in der als Kehrreim dem armen Rabbi die Worte: „Das sagt ja schon sein deutscher Name Erich!" unter die Nase schob. Die Geschmacklosigkeit wurde damals weidlich belacht, der Rabbi aber hat, meine ich, doch schließlich Recht" behalten. Auch für uns wurde der Tag der Einsegnung zum literarischen Ereignis. Jeder von uns kam mit einem Schlage in den Besitz einer stattlichen Bibliothek deutscher Klassiker. Damit

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