Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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40 Der Jüdische Student En Blatt gemeinsamer Erinnerungen von Emil Cohn Mm 1. Oktober 1801 siedelte meine Familie von Steglitz, wo nein Vater Arzt war, nach Berlin über. Als ich, der Zehnjährig wenige Tage darauf in die Quinta des damaligen West-, späteien Prinz Heinrich-Gymnasiums eintrat, kam in der ersten Pausas ein blasser Junge mit dunklem Haar und blauen Augen auf mich zu und sagte: „Mein Vater kennt Deinen Vater." Diesaa* Junge war Erich Rosenkranz, und von da an war ich täglirii und untrennbar mit ihm verbunden. Die Väter kannten sich aus der Berliner Medizinischen Gesellschaft und standen sich außerdem durch eine seltene Uebereinstimmung in ihren jüdisdien Urteilen und Ueberzeugungen nahe. Bald kam ich in ite Rosenkranzsche Haus in der Potsdamerstraße und lernte den Kreis kennen, in dem Erich heranwuchs. Der Vater, ein statticher Mann, der durch seine männliche Schönheit großen Einfinck auf mich machte, entstammte einem frommen jüdischen Haise Westpreußens. Die Mutter, obgleich älter als der Vater unil in zweiter Ehe mit ihm verbunden, war immer noch eine schääie Frau und im Gegensatz zum Vater das Kind eines ganz freSnnigen Berliner Hauses aus der Reformgemeinde. Sie war eine überaus lebhafte und gleichzeitig sehr rührsame Dame, die nur leider in ihrem grundgütigen Herzen eine große Portion Pessimismus trug. Hatte Erich also vom Vater „die Statur, des Lebens ernstes Führen", so konnte er von der Mutter nur eine zvraiflerische Natur erben und erbte sie auch. Das hinderte nixöi, daß man im Hause Rosenkranz damals oft die lauteste Listigkeit antreffen konnte, die zum großen Teil von den TSohtern der Frau Doktor aus erster Ehe ausging, deren jüngste norii immer acht Jahre älter war als Erich und die den Jungen rriÜ lärmender Zärtlichkeit verwöhnten, verhätschelten und nericten. Wenn er zu seinem Aerger früh zu Bett gehen mißte, peinigten sie ihn mit ihrem „Gute Nacht, mein Kind I SifUaf schön, mein Kind!" oftmals bis aufs Blut, wogegen er soft wieder rächte, indem er der wohlgenährtesten unter ihnen, siD oft sie kam, voranlief und beide Flügeltüren öffnete. Als Schüler war Erich ein Ueberflieger und zeigte glänzende Gafcen, vor allem in der Mathematik. Schon als Quintaner löste