Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 39 weltgeschichtliche Entscheidung des jüdischen Schicksals ruhe. Ob das Judenvolk noch einmal aufsteigen werde zu Menschenwürde und Volksdasein, diese Frage allein hat sein Leben gelenkt, hat ihn ganz erfüllt, sein individuelles Sein sich ganz untergeordnet. Das war ihm der V. J. St., darin gipfelte ihm alle jüdische Arbeit, die er sonst noch geleistet, es ging ihm immer nur um den Zionismus. Und sein Zionismus war nicht müde und war nicht resigniert, war nicht kleingläubig und war nicht verzagt, es war ihm immer das große Aufbäumen des jüdischen Volkes im Kampfe um seine Freiheit, das heldische Auferstehen des Volkes auf eigenem Grunde, die letzte große Abrechnung des jüdischen Volkes mit der Weltgeschichte. Dies und nichts anderes ist ihm Zionismus gewesen, als solcher hat er ihm vor Augen gestanden, als er noch in den letzten Monaten seines Lebens - sich mit Plänen trug, wie die Juden in dem großen Völkerringen die Entscheidung auch über ihr künftiges Volksschicksal herbeiführen könnten; mit diesem Zionismus ist er gestorben. Nun müssen wir ohne Dich, Erich Rosenkranz, unsere Straße weiterziehen, wie wir schon manchen guten Kameraden am Wege haben zurücklassen müssen. Es ist ein eigenartiges Schicksal, das unsere junge Bewegung gerade die Besten so früh hat verlieren lassen. Auch das darf uns nicht entmutigen, auch das uns nicht schwach werden lassen. Ein Kämpfer fällt und ein anderer tritt an seine Stelle, und vorwärts zieht das große Heer, schlachtbereit hinaus in den Freiheitskampf. Voran aber ziehen Euch die Schatten dieser Eurer Toten; den Säbel hoch emporgereckt, gebieten sie Mut Eurem Verzagen, weisen sie Euch das Ziel, wenn Ihr ermüden wollt. Laßt sie nicht Schatten unter Euch sein, sie sollen in Euch leben, sie sollen Euch führen, und in der neuen Freiheit des Judenvolkes werdet Ihr ihnen das Denkmal ihres Tuns setzen. Erich Rosenkranz wird einer der unvergeßlichen Namen sein am Bau künftiger jüdischer Herrlichkeit!