Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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37 vcenn wir uns auch alle bewußt sind, was unser Bund an Erich Rosenkranz verliert, was wir an ihm verlieren, fast ein jeder unter uns, besonders aber wir, die wir mit ihm Männer geworden" sind, das trägt ein jeder schmerzlich mit sich, darüber wird uns auch keine Zeit hinweghelfen, dafür werden wir nie einen Ersatz finden. So Treue zu halten, so Freundschaft und Kameradschaft zu pflegen, wie Erich Rosenkranz es getan hat, das können die Sonnenkinder des Glücks, die reich sind und aus reichem Herzen spenden können an andere. Durch die übervollströmende Freundlichkeit seines Wesens ist es Erich Rosenkranz auch vergönnt gewesen, den Frieden und die Einheit unseres Bundes in Zeiten zu wahren, da ihm ernste Gefahr drohte. Er genoß das Vertrauen aller und hat so oft vermitteln können, wo die Gegensätze unüberbrückbar schienen. Er verstand es eben, jedem gerecht zu werden und jedem Zusammenstoß von Menschen und Meinungen die persönliche Schärfe zu nehmen. Wir Parteileute^von hüben und drüben haben ihn darob vielleicht manchesmal gescholten. Das aber muß in dieser Stunde gesagt werden, ein Kompromißler war er darum nie, von dem, was er als richtig erkannt hatte, ist er mit rechtem Abmessen der wirklich wichtigen Entscheidungen nie abgewichen. Und auch darin hat ihn alle Verbindlichkeit seines Wesens nie irre geführt, daß er nie irgend einer politischen Konstellation zu liebe, um eines Zugeständnisses willen nach irgendwelcher Seite Unrecht geschehen ließ. Mit der ritterlichen Vornehmheit seines Wesens hat er sich in jedem Falle eingesetzt, wo er glaubte, daß im Kartell einem Bundesbruder Unrecht geschehe. In solchen Fällen konnte er, der immer Verbindliche, aufbrausend werden, ein strenger Wächter, daß nicht Unrecht geschehe in unserer Mitte. — Ja! In Erich Rosenkranz war schon ein Stück lebendig geworden von dem Ideal neuen jüdischen Menschentums, das als Bild künftiger jüdischer Art uns vor Augen steht Der Kampf um das jüdische Freiheitsideal hat, das Tiefste seiner Seele zum Leben weckend, seiner persönlichen Lebensführung neue Norm und neues Gesetz gegeben und hat ihn selbst zur Lebensnorm für andere gemacht. Was wir von unserer neuen Lebensform erhoffen und erwarten, läßt, sich nicht immer in festen Gesetzen normieren. Erich Rosenkranz aber ist dem in